Silvesterlauf Tuttlingen 2016 – frostig schön.


Am 31.12.2016 war es wieder so weit für meinen traditionellen Jahresabschluss: Silvesterlauf in Tuttlingen. Ich würde gerne behaupten, dass ich jedes Jahr dabei war, aber letztes Jahr hat mir die Plantarfasziitis den Start vermasselt, und davor gab es schon mal ein krankheitsbedingtes DNS. Umso schöner, dass es dieses Jahr wieder klappen sollte.

Cool fand ich es auch, meine Strava-Bekanntschaft Peter zumindest kurz in der Realität zu sehen, und ein bisschen zu quatschen, ehe ich mich startfertig machen musste.

Peter hatte mit unter 46 Minuten großes vor (hat er auch geschafft!),  und ich wollte mal sehen, was so drin ist. Nachdem mein großes Ziel in Form von sub 60 ja bereits im Herbst beim Run4Karsten mehr oder weniger ungeplant Realität geworden war, und ich mich auch irgendwie nicht so wahnsinnig kämpferisch fühlte, ging ich ohne größere Erwartungen an die Startlinie. Einfach mal sehen, was geht. Und was ich will.

Ich holte meine Startnummer und den großzügig bemessenen Goodie-Bag ab (vor allem die Tatsache, dass der kleinen Taschenlampe Batterien beigelegt waren, finde ich echt erwähnenswert. Praktisch noch dazu. Sehr cool!) und ging mich einlaufen. Dabei wunderte ich mich mal wieder, dass auch bei diesen Temperaturen die Büsche hinter dem IKG mal wieder als Pissoir herhalten mussten. Jungs, ehrlich mal, muss das sein?

goodies

Nach der Schneematsch-Episode bei meinem letzten Start waren die Straßen diesmal komplett frei und das Wetter strahlend schön. Allerdings so knapp unter 0 und doch irgendwie frostig. Daher erfolgte der Start der zweiten Welle (1. Welle bis sub 50, 2. Welle alle anderen) etwas früher als 13:35. Vielleicht war es auch noch die erste Welle. So ganz klar wurde es mir nicht. Jedenfalls war ich noch am Einlaufen, als der Moderator irgend etwas von wegen frieren sagte, und gleich darauf ein Startschuss ertönte. Zur Sicherheit lief ich einfach mal los.

Frenetisches Gewinke und Blicke nach oben… was…?… ach so! Drohnen-Begleitung am Start.

Dann wurde es erst mal wieder ein bisschen eng und ich fand nicht so recht in mein Tempo. Da ich aber ja eh nichts vorhatte, war mir das eher egal.

Zwei Damen liefen vor mir, von denen die eine ein mir auffälliges Firmenshirt trug – ich erwähne das hier, weil es später noch von Bedeutung sein sollte. Sie sagte zur ihrer Begleiterin, dass sie dieses Tempo nicht auf Dauer halten könne. Kurz darauf schob ich mich vorbei.

Die Guggemusik machte am Skatepark Stimmung und gab mir nochmals einen kleinen Schub, so dass ich kurzzeitg zum Crossläufer mutierte, um auf dem Grünstreifen noch ein paar Läufer zu überholen. Dann lichtete sich das Feld etwas. Sehr schön.

Mein Puls war schon relativ hoch aber noch im grünen Bereich. Den ersten Anstieg zur Donau-Brücke (alle Anstiege auf der Strecke sind Brücken) nahm ich mit Schwung und zackelte auf der Brücke noch an einer weiteren Läuferin vorbei. Mampf!

Da ich ganz hinten gestartet war, konnte ich immer mal wieder welche einsammeln, und das machte schon Spaß.

Viele Zuschauer hatten sich trotz der Kälte eingefunden und feuerten begeistert an. Danke dafür! Auch die Streckenposten – größtenteils Schülerinnen und Schüler der Ferdinand-von-Steinbeiss-Schule waren gut drauf. Kurz vor Schluss, bzw. Beginn der zweiten Runde hatte eine Gruppe von Streckenposten sich zum Ziel gesetzt, jeden Läufer namentlich anzufeuern. Das kam echt gut! Vielen Dank für Euren Einsatz!

Erst ganz am Ende der ersten Runde überrundete mich der führende Mann, der mit etwas über 31 Minuten ins Ziel gehen sollte. Hammer! Ansonsten aber keine Überrundungen, und das tat auch irgendwie gut. So ganz knapp war die sub 60 immer noch drin.

Auf der zweiten Runde wurde es dann aber irgendwie zäh. Ich finde 2-Runden-Läufe psychologisch sowieso etwas zweischneidig. Auf der einen Seite ist es schön, wenn man die Strecke schon kennt. Auf der anderen Seite ist so das „Und-jetzt-der-ganze-Mist-noch-Mal“-Gefühl. Vor allem wenn die Strecke so Gemeinheiten wie die zweite Donaubrücke mit ihrem kleinen schmalen Anstieg hat.

Eine Frage beschäftigte mich jedoch die ganze zweite Runde lang: Wie konnte es sein, dass die oben erwähnte Dame mit dem auffälligen Firmenshirt (daher Verwechslung ausgeschlossen) und ihre Begleiterin zu Beginn der zweiten Runde plötzlich ca. 300m vor mir liefen, ohne dass sie mich jemals wieder überholt hatten. Da mich insgesamt vielleicht 3 Läufer bisher überholt hatten, wären mir die beiden sicherlich aufgefallen. Ich will ja niemandem was unterstellen, aber da das Firmenshirt seine Trägerin auch als ortskundig auswies, machte ich mir schon so meine Gedanken…

Immerhin motivierten mich die beiden, mich langsam heran- und vorbei zu saugen. Danke für die zwei gezogenen Kilometer!

Danach wurde es zääääääääh…

Was beim Halbmarathon für mich KM 19 ist, ist beim 10er KM 8. Der geht einfach nicht rum. Mein Schnitt fiel auf 6:20 und ich hatte schlichtweg nicht die mentale Kraft, dagegen anzugehen. Meeeeeh…

Zwar überholte ich immer noch ein paar vom Stamme der „Die-zu-schnell-loslaufen“, aber irgendwie gab mir das nicht den nötigen Ego-Boost.

Endlich KM 9 und damit noch ein kleiner Motivationsschub. Dazu die namentlich anfeuernden Streckenposten, da ging wieder was!

Ich hatte sogar noch Kraft für einen kleinen Zielsprint, allerdings hatte ich mit 1:00:51 die sub 60 knapp verpasst.

Hätte ich irgendwo auf der Strecke noch 52 Sekunden finden können? Naja, vielleicht mit freier Strecke von Anfang an und ohne Motivationseinbußen in der zweiten Hälfte. Aber „hätte, wäre, könnte“ ist halt nicht. Es hat mich auch nicht wirklich gekratzt und ich hab auch nicht gezielt drauf trainiert, also sei’s drum.

Im Ziel musste ich erstmal kräftig husten. So kalte Luft ist dann doch auf Dauer etwas unangenehm in den Bronchien. Aber dafür gab’s ja den süßen heißen Tee. Diesen Tee, der sonst absolut widerlich ist, aber nach Läufen genau das, was man haben will. Allerdings musste ich ein bisschen anstehen, zumal sich ein lautstark über den Lauf, das Leben und das Universum lamentierender Herr in mittleren Jahren unbedingt vordrängeln musste. Mein Tipp: Wenn man eh entschlossen ist, alles Schxxxxx zu finden, einfach daheim bleiben. Ist sozialverträglicher.

Mit dem hart erkämpften Becher Tee in der Hand ging ich auf direktem Weg zum leider weit entfernten Auto. Ein bisschen joggte ich sogar. Nicht um cool auszulaufen. Nein, mir war einfach tierisch kalt. Meine Beine waren nach 10 Asphalt-Kilometern doch ein bisschen beleidigt.

Die heiße Dusche reichte mir dann auch als Belohnung nach dem Lauf. Ich hatte nicht mehr die Energie, wieder zurück zu laufen, und mir noch einen Kuchen zu holen. Lieber heim ins Warme.

Auch wenn es dieses Mal nicht einer meiner besten Läufe war:

Nächstes Jahr bin ich sicher wieder dabei!

Vielen Dank an alle ehrenamtlichen Helfer und das ganze Orga-Team. Ihr habt wieder einen tollen Lauf auf die Beine gestellt!

P.S. Entschuldigt das dünne Bildmaterial, aber meine kuschlig warme Laufweste hat leider nur eine sehr enge Tasche, in die man das Handy gerade so rein und kaum wieder rauskriegt. Den Formbelt hatte ich leider vergessen.

 

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19 Kommentare zu “Silvesterlauf Tuttlingen 2016 – frostig schön.

  1. Erinnerungen werden wach.
    Hatte letztes Jahr auch auf der zweiten Runde Probleme, da ich zu schnell los gelaufen war und dämlicherweise probierte dem „50 Minuten Ballon“ zu folgen.
    In die Hecke pinkeln geht gar nicht, aber ich verstehe auf der anderen Seite auch nicht warum man die zahlreich vorhandenen Toiletten in der Schule nicht alle öffnet?

    • Die Ballons habe ich gar nicht gesehen, aber vielleicht gab es auch keine für 60min.
      Die Toiletten in der Aula waren offen, soooo wenige sind das auch nicht… aber ja, man hätte vielleicht noch ein paar mehr organisieren können. Nächstes Jahr bist du wieder dabei, oder?

      • Oder sie wurden abgeschafft? 😉
        Vielleicht haben sie auch mehr Toiletten geöffnet? Ist ja keine ganz kleine Veranstaltung.
        Wenn ich in Deutschland bin und der Haxn mitmacht auf jeden Fall.

  2. Liebe Christiane,
    ich hatte es schon geschrieben, dennoch wiederhole ich mich: schön, dass Du wieder da bist 😀
    Schöner Bericht, auch wenn es nicht Dein bester Lauf war, aber bei der Kälte musst Du Abstriche machen, da läuft nicht alles rund.

    Salut

  3. So n läuferischer Jahresabschluss gehört eben dazu. Jedes Jahr auf’s neue. Und wichtiger als die Zeit ist doch das Jahr vernünftig und gesund ausklingen zu lassen

  4. Leider habe ich es dieses Silvester nicht zu einem Lauf geschafft, deshalb war ich in einer Laufgruppe unterwegs, was auch total super war. Bei der Kälte muss man sich wirklich etwas zurücknehmen. Da hast du dir den Teebecher wirklich hart erkämpft. Dennoch sicher ein schöner Jahresabschied.

    Alles Gute für das neue Laufjahr!

  5. Fein, liebe Christiane, „back on track“, herzlichen Glückwunsch! 🙂
    Da ist die Zeit wirklich zweitrangig, zumal es ein Silvesterlauf war, den „man“ ja eigentlich eh v.a. zum Spaß und als Jahresabschlussritual läuft. Ich wünsch dir alles Gute für 2017. Du wirst hoffentlich viele Möglichkeiten haben, iin diesem Jahr deine sportlichen Ziele mehr oder minder ambitioniert anzugehen.

    Liebe Grüße,
    Anne

  6. Hi, Christiane, wo kommst denn du her, aus dem Nichts wieder direkt auf der Piste ?

    Was sind schon Zeiten ? Freue dich, dass du überhaupt wieder ein Startnummernband getragen hast.

    Frische Ostseegrüße

    • Klar freu ich mich! 🙂 Das Nichts hatte einen (erfreulichen) Grund, zu dem ich mich aber erst auslassen möchte, wenn alles in trockenen Tüchern ist. Hoffentlich bald!
      Tut aber gut, wenn man vermisst wird. 🙂

  7. Hi Christiane, schöner Bericht und danke, dass wir uns endlich mal real leider nur so kurz getroffen haben!
    Das nächste Mal kommst Du auch zum Kaffee und Kuchen nach dem Lauf, ich lad Dich ein 🙂
    Aber witzig wie verschieden man solche Rennen wahrnimmt.
    Für mich ist der Silvesterlauf seit 2015 das Highlight des Jahres (da bin ich unerwartet das erste Mal unter 50 gelaufen) und ich fand das Wetter in Tuttlingen dieses Mal perfekt. Die Temperatur, die Sonne, die vielen grinsenden Läufer….ich glaube deshalb Training ist nicht Alles. Der Kopf hat ganz viel Bedeutung. Nur durch das gefühlte Hoch wurde dann aus der bereits eigentlich verrückten, angestrebten 46:30….ne 44:38.
    Ich zehre jetzt noch davon und baue mich damit auf 🙂 Und freue mich auf Silvester 2017…da lassen wirs nochmal krachen. Denk an den Kuchen 🙂 Samstag ist ja Crosslauf in Tuningen, wird bestimmt hammerhart beim derzeitigen Wetter…So, genug Text. Ciao, bye.

  8. Pingback: Lieblingsblogs Folge 50 - Coffee & Chainrings

  9. Schön, dass Du in diesem Jahr wieder beim Silvesterlauf starten konntest. Hier in der Gegend gibt es keinen – sonst fänd ich so eine Tradition auch toll.
    Liebe Grüße
    Bianca

  10. So wie ich die Twitter-Einträge interpretiere, waren Sie „in anderen Umständen“. Für diesen Fall erstmal herzlichen Glückwunsch und alles Gute!

    Da macht man doch normal andere Sachen, yoga z.B. War das dann jetzt ein „Rückbildungslauf“;-)?

    Beste Grüße aus Freiburg!!

    P.S. Britzingen war auch sehr schön.

  11. Pingback: Der Weg zur ersten Olympischen Distanz – Bestandsaufnahme | laufkater

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