Liebling, ich habe das Baby gejoggt!


…und wer erkennt, welchen Filmtitel ich da ruiniert habe, kann sich in etwa ausrechnen, wie alt ich bin. 😉

Gleichzeitig verrät der Titel auch, weshalb es auf meinem Blog derzeit ein bisschen ruhiger zugeht, und ich auch nicht immer gleich alle Kommentare beantworten kann.

Baby und Sport, das geht schon. Ist vor allem eine Frage der Absprache und Organisation. Aber manchmal wird es halt doch eng, und da ist Sport MIT Baby natürlich die Lösung.

Auch wenn ich keinen Hehl daraus mache, um welches Babyjogger-Modell es sich hier handelt, ist das KEIN Produkttest. Vielleicht habe ich da später mal Lust zu. Technische Details findet Ihr hier also nicht. Außerdem habe ich das Ding höchst selbst teuer käuflich erworben. Ich wollte ein Multifunktions-Teil, und habe mich daher für den Thule Chariot CX1 entschieden, der auch als Fahrradanhänger und für noch einen Haufen andere Zwecke verwendet werden kann.

Den Katzen gefällt es auch. (Auf dem ersten Bild sieht man übrigens den noch nicht fertig montierten Baby-Sitz)

Nun waren ich und das Baby bereits zwei Mal laufen, und ich wollte Euch an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.

Zunächst mal werden vermutlich einige entsetzt aufschreien, weil man ja mit so einem kleinen Wesen (ca. 3 Monate) doch eigentlich gar nicht laufen gehen sollte. Die Firma Thule bietet jedoch für ihre Chariot-Reihe einen extra Babysitz an, der wie eine Art Hängematte eingespannt wird. Dadurch sitzt,  bzw. liegt der kleine Pilot zum einen super sicher, zum anderen werden so nochmals zusätzlich die Erschütterungen abgedämpft. Dass man damit natürlich trotzdem nicht im hohen Tempo über Bordsteinkanten und durch Schlaglöcher pflügen sollte, versteht sich natürlich mit ein bisschen gesundem Menschenverstand von selbst.

Während des Laufs kann man das Baby sehen, und ich muss ehrlich sagen, es wird weniger durchgeschüttelt als im „normalen“ Kinderwagen.

Die beiden Läufe, die wir schon gemeinsam gemacht haben, haben uns eindrücklich die Vor- und Nachteile des gemeinsamen Laufens mit Baby gezeigt, wobei Lauf 1 mehr die Vorteile, Lauf 2 mehr die Nachteile offenbart hat.

Beginnen wir also mit Lauf 1. Der kleine Pilot war die ganze Zeit über total ruhig und happy. Das Wetter war kalt und sonnig, Baby warm angezogen und das Wetter-Verdeck geschlossen, so dass alles innen schön windgeschützt war. Ein leicht geöffnetes Seitenfenster ließ genügend Luft rein.

Gewählt hatte ich eine relativ flache, durchgehend asphaltierte Strecke, die ich gern für Tempo-Einheiten nutze. Um dorthin zu kommen – und das war ein bisschen lästig in einer Stadt, in der das Abschrägen von Bordsteinen offenbar als Zeichen von Schwäche gilt – mussten wir ca. 1,5 km durch die Stadt laufen. Da ich mich da noch in der Warm-Up-Phase befand, war das ständige Abbremsen vor den Bordsteinkanten noch zu verschmerzen. Sogar Teile des Lauf-ABCs konnte ich mit dem Jogger absolvieren. Für die Teile, bei denen das nicht ging, wurde eben kurz geparkt und mit der Feststellbremse gesichert.

Als Trainingseinheit stand eine sog. Tempopyramide auf dem Plan, die ich auch so absolviert habe. Insgesamt war die Pace natürlich ein bisschen langsamer, aber da ich eh nach Zeit und Puls gelaufen bin, war das egal. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man ständig leicht bergauf laufen. Und es geht natürlich doch etwas auf die Arme. Allerdings hat der CX1 einen Schiebebügel, der eine Vielzahl von Griffmöglichkeiten erlaubt, und das gelegentliche Umgreifen bringt da doch Erleichterung.

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Nach dem Lauf waren wir beide rundum zufrieden, und ich hatte das Gefühl, dass der sportliche Nachwuchs es genossen hat.

Interessant fand ich auch, dass meine Laufmetriken (Bodenkontaktzeit, Schrittfrequenz, etc. ziemlich gut waren. Scheint, als würde das Laufen mit dem Jogger mich dazu zwingen, mehr Vortrieb zu erzeugen und die Spur zu halten. Das ist sicherlich nicht das Schlechteste.

Die Tour zwei Tage später war dann nicht mehr ganz so der Hit. Es begann schon damit, dass wir aufgrund äußerer Umstände nicht so früh loskamen wie ursprünglich geplant. Die Sonne war schon am Verschwinden und es wurde schlagartig schweinekalt. Ich glaube zwar, dass Babylein es immer noch schön warm hatte, mir allerdings setzte es zu. Hinzu kamen auch noch ein Haufen Höhenmeter (also auf die kurze Strecke gesehen). Wenn es richtig bergauf geht, dann wird das schon echt anstrengend. Ist aber sicher ein gutes Training. Dennoch musste ich recht viel gehen.

Das größere Problem – und das hat man bei Babys und Kleinkindern einfach nicht in der Hand – war jedoch, dass wir so spät dran waren, dass der kleine Sportler seine gute Laune verlor. Die letzten 2 km musste ich dauernd anhalten wegen ausgespucktem Schnuller (Brüüüüüll!), über die Augen gerutschter Mütze (Brüüüüüüüüüüll!) und dann wieder von vorn.

Irgendwann hatte das dann keinen Sinn mehr, und ich lief ein größeres Stück mit Brüll-Soundtrack von vorne. Im Gegensatz zum normalen Kinderwagen heißt es beim Jogger eben nicht nur, kurz den Schnulli reinzuschieben, sondern es heißt: „Anhalten, Bremse fest, Fangschlaufe ab, Wetterverdeck auf, Schnulli rein, Wetterverdeck zu, Fangschlaufe anlegen, Bremse auf.“ Und wenn man großes Pech hat, ist bis zum letzten Schritt der Schnulli schon wieder draußen.

Gleichzeitig fühlt man sich aber wie der schlechteste Mensch der Welt, wenn man ein Baby einfach brüllen lässt. Insofern war ich dann daheim nicht mehr ganz so entspannt. Auch die anschließende Dusche gestaltet sich dann schwierig, wenn man zwar ein brüllendes Wesen aber keinen anwesenden Partner / Partnerin daheim hat.

Länger als eine Stunde würde ich mit so einem kleinen Wesen nicht planen, weil der „Hunger-Pipi-kalt-Faktor“ (bzw. alles auf einmal) nach dieser Zeit mit Sicherheit zuschlägt. Und selbst wenn nicht, ist die halb sitzende, halb liegende Position ja auch nichts, was das Baby auf Dauer haben sollte. Longruns sind also nicht so möglich, aber für eine kleinere Einheit macht das echt Sinn.

Und jetzt warte ich drauf, dass irgendwann von vorne ein „Mama! Schnellaaaaa!“ ertönt. 😀

Für alle, die keine Lust auf so viel Text haben, hier nochmals mein Fazit als Stichwort-Liste:

Geeignete Einsätze:

  • Läufe auf befestigtem Untergrund bis ca. 1 Stunde Dauer
  • gemäßigtes Tempo, es sei denn, der Asphalt ist top

Pro:

  • Unabhängigkeit vom Terminplan des Partners / der Partnerin, bzw. Gelegenheit gemeinsam Sport zu machen
  • Trainingszeit geht nicht vom Familien-Konto ab
  • Spaß fürs Kind
  • guter Trainingseffekt

Contra:

  • Abhängigkeit von Laune und Befindlichkeit des kleinen Laufpartners
  • eingeschränkte Streckenwahl und Zeitdauer
  • höhere Belastung für die Arme und fehlender Armschwung
  • Bordsteine nerven

 

 

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21 Kommentare zu “Liebling, ich habe das Baby gejoggt!

  1. Gratuliere zum Nachwuchs Christiane!
    Das wird sich sicher einspielen, ich habe unsere Kleinste auch durch Feld und Wald geschoben, war absolut kein Ding…oh Wunder, sie hat es überlebt und ist inzwischen 14 Jahre alt.
    Auf jeden Fall ein geiles Gerät, der Baby-Jogger 😉

    Salut

  2. Da also nochmals die Auflösung 🙂
    Ich bin mit meinem großen mehrmals mit dem normalen Kinderwagen laufen gegangen. Aber erst als er n Jahr alt war etwa. Ging auch, war aber eben nicht so komfortabel. Der Kleine wollte jetzt auch mal, aber es war so matschig dass ich nun erstmal den ganzen Kinderwagen putzen muss 😀

    • Unser normaler Kinderwagen würde das gar nicht mitmachen. Ist ein reines Stadt-Modell und hat abseits vom Asphalt einen üblen Rollwiderstand. Auch die Federung ist nicht so der Burner.
      Viel Spaß beim Putzen. 😉

  3. Ich finde das Mega, joggen mit Kind. Für mich kam nie ein anderer Kinderwagen als ein Jogger in Frage. Allerdings wollte ich keinen so typischen und in meinen Augen unhübschen Wagen und hatte daher den TFK Joggster III gekauft. Der kann zwar nicht so lange verwendet werden als der Thule, aber ist auch ein Träumchen zum Laufen. Dazu gab es ein Mamaboard. Damit war ich der Star auf der Piste 🙂 Eine Art Skateboard befestigt hinten am Wagen, auf dem sich die Mutter stellen kann, wenn man genug Fahrt aufgenommen hatte. Das war sehr cool, fanden auch die Leute, die stets mit offenen Mund zugeschaut hatten. Ich habe die Zeit genossen und wäre froh, es gäbe für meine große Maus noch einen solchen Wagen.

    Wie groß ist der Thule denn innen? Was denkst du bis zu welcher Kindergröße da ein Kind reinpasst? Meine Kleine ist immer gerne mit, da gab es keine Befindlichkeiten, nie. Kaum unterwegs, war sie oft schon direkt eingeschlafen. Mit dem warmen Schlafsack im Winter schön kuschelig oder mit dem integrierten Fliegengitter im Sommer.

    LG Katrin

    • Cool, so ein Mamaboard würde mir auch gefallen! 🙂 Mir war aber die Multifunktionalität wichtig. Warum mehrere Fahrzeuge anschaffen, wenn es auch eines tut.
      Was die Größe angeht, so gibt Thule die Sitzhöhe mit 65cm und das max. Gewicht mit 34kg an. So 1,20 Körpergröße müsste das wohl sein.

      • Schade. Ich suche immer noch ein Gefährt, was bejoggt werden kann und meine fast 6-jährige beherbergt. Die hat einfach noch keine große Lust, mit mir 10 km durch die Lande zu laufen 🙂 Ich weiß gar nicht, warum diese Wägelchen bei Kindern mit 4 oder so aufhören. Das Mamaboard ist mega, vielleicht fragst du mal bei TFK an, ob das evtl. sogar an deinen Jogger passt. Vielmal sind die ja multikompatibel. Wird im Grunde nur mit einer Art Schelle an dem hinteren Querträger zwischen den Hinterreifen befestigt.

      • Vergiss es, mit dem Rad eine knapp 6 jährige fährt so langsam, dass ich in High Heels laufen gehen könnte. Und meinst du im Ernst, die Zwerge halten 20 km durch? Im Leben nicht. Das macht sportlich betrachtet null Sinn, mein Tempo ist ein anderes und meine Ausdauer auch. Außerdem musst du dann ständig nach dem Kind schauen, fällt es hin, kannst du stehen bleiben und für mich wäre der Trainingseffekt gleich null. Ich hab mir jetzt den Qeridoo Sportrex2 bestellt. Der ist normal für 2 Kinder, also haben wir platz- und gewichtstechnisch schon mal kein Problem. Und der kann auch an Fahrrad oder eben zum joggen genutzt werden. Wir werden es probieren, Preis-Leistung scheint hier zu passen.

  4. Herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs, Christiane! Gar nicht so einfach, da noch den Sport unterzubringen. Aber du hast ja schon eine Lösung gefunden.
    Liebe Grüße
    Bianca

  5. Heya, das kriege ich ja erst jetzt mit, du bist Mama – super – dann ist dieses Gerät das beste, das man sich denken kann. Schön, freue mich mit dir, genieße die Zeit ! Alles, alles Gute für euch alle ! Man kann alles unter einen Hut bekommen, so man will, ich habe das längst hinter mir, aber es hat wunderbar funktioniert – mit dem Ergebnis, dass alle laufen und laufen und laufen……………….. 😉

  6. Hi. Hab grad mit Interesse Deinen Beitrag gelesen. Meine Tochter ist gerade 15 Wochen alt und ich hab mir auch den CX1 zum Joggen und Rad fahren zugelegt. Mir gibt etwas die Hängematte Rätsel auf, weil die ja schon recht steil wirkt. Wie findest Du, dass Dein Kind da drin liegt? Ich hab jetzt oben die Befestigungsgurte verlängert und unten gekürzt, damit sie etwas flacher kommt.

    LG
    Silke

    • Am Anfang hatte ich auch Probleme, die richtig zu montieren, aber ich finde, sie liegt eigentlich ähnlich wie in der Babyschale. Einfach mal beim Laufen beobachten, was der Kopf so macht. Also ob er gut gestützt scheint oder sehr stark kippt. Viel Spaß! 🙂

  7. Bin mir nur nicht sicher, ob die oben so richtig straff gezogen werden muss. Je straffer sie oben am Bügel befestigt wird, desto steiler wird sie ja?!?

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