(Ideal)Gewichtiges


Mit meinem gestrigen Beitrag, der sich eigentlich gegen den Missbrauch des E-Bikes richten sollte, habe ich offenbar mindestens einen Menschen verletzt, der mir lieb und teuer ist, weil ich ein etwas unsensibles Vokabular bezüglich Übergewicht verwendet habe. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals ausdrücklich dafür entschuldigen, denn das war keinesfalls mein Anliegen.

Es stimmt schon, dass Menschen mit einem höheren BMI vermutlich teilweise davor zurückschrecken, sich sportlich zu betätigen, weil sie Angst vor dummen Kommentaren oder abschätzigen Blicken haben. Und das auch nicht ganz zu Unrecht, wie die Erlebnisse von Rennschnecke und Carmen leider nur allzu sehr verdeutlichen. 

Wie ich schon oft bei Wettkämpfen beobachten konnte, sagen Körperproportionen nicht viel über das sportliche Leistungsvermögen einer Person aus. Ich bin schon oft hinter Leuten ins Ziel gelaufen, die auf den ersten Blick alles andere als sportlich wirkten.

„Auf den ersten Blick“ genau das ist das Stichwort. Ich bemühe mich meist, es nicht beim ersten Blick zu belassen.

Als ich letztes Jahr mit dem Triathlon angefangen habe, ist mir bei zwei Wettkämpfen ein und derselbe Herr aufgefallen. Mein erster Gedanke war: „Wahnsinn, dass die Apex-Einteiler SO dehnbar sind!“ Mein zweiter Gedanke war: „Respekt!“

Respekt davor, dass er etwas angeht, was ihm wohl niemand so ohne weiteres zutrauen würde.

Respekt vor seinem Mut.

Respekt vor seiner Leistung, denn er muss ungleich mehr Gewicht über dieselbe Distanz bewegen als ein normalgewichtiger Teilnehmer.

Respekt vor seiner Vorbildfunktion.

Gegen den ersten Gedanken können wir nichts tun. Und häufig sind es Äußerlichkeiten, die einem bei der ersten Begegnung ins Auge stechen. Sei es: „Wow! Ist der / die aber dick / dünn!“ oder „Himmel, was für eine Nase!“ oder „Du liebe Zeit, mit den Klamotten würde ich mich erschießen!“

Mag sein, dass es Menschen gibt, die vor derlei Gedanken völlig gefeit sind, ich bin es nicht. Dennoch würde ich keinem dieser Menschen in irgend einer Form ihre Berechtigung dazu absprechen, das zu tun, was sie gerne tun.  Sei das nun Sport oder Extrem-Häkeln. Und der erste Gedanke verschwindet in der Regel, sobald ich die Person näher kenne. Die Figur wird „gemütlich“, die Nase wird in der Wahrnehmung immer kleiner, und die Klamotten sind halt der persönliche Stil. So what.

Das Ziel von sportlicher Betätigung kann, muss aber nicht die Gewichtsabnahme sein. Dass man durch Sport allein nicht abnimmt, habe ich am eigenen Leib erfahren. Ich habe dann halt noch FDH dazu gemacht. Ich wollte mein jetziges Gewicht erreichen. Ich darf mir häufig anhören, ich sei zu dünn und nicht weiblich. Jo…

Jeder hat da so seine individuelle Wohlfühlzone. Ich kenne und schätze einen Haufen lebenslustiger, intelligenter und durch und durch liebenswerter Menschen, die mehr oder weniger weit von Modelmaßen entfernt sind. Ich käme nie auf die Idee, ihnen zu sagen, dass sie dick sind, bzw. ich nehme sie nicht so wahr, weil für mich die Person im Vordergrund steht. Vielleicht ist auch das der Grund, weshalb ich mich im letzten Rant eventuell zu weit aus dem Fenster gelehnt habe. Ich habe an diese Leute schlichtweg nicht gedacht. Hätte ich aber vermutlich sollen.

Also. An dieser Stelle nochmals ein dickes „Sorry“ an alle, die ich eventuell vor den Kopf gestoßen habe. Nicht ihr wart mein Ziel, sondern der anonyme Prototyp „E-Biker“.

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2 Kommentare zu “(Ideal)Gewichtiges

  1. Schön, dass du hier die Aussagen nochmal etwas tiefer darstellst. Das zeigt, dass du nicht oberflächlich bist. Dennoch fand ich nix böse an deinen Aussagen. Man muss einfach ab und an auch mal verallgemeinernde Aussagen treffen, das tut im Grunde jeder irgendwann einmal, davon kann sich doch keiner freisprechen. Die Massage war doch richtig: bitte liebe Menschen, bewegt euch mehr und bitte erst Recht, wenn ihr kein Idealgewicht habt. Das hat nicht gesagt, dass man dickere Menschen nicht beachtet oder sie verletzen will. Ich habe auch viele Freunde, die mehr als ein Kilo zu viel auf den Rippen haben. Selbst meine große Tochter, die inzwischen 19 ist, hat mehr Gewicht, als gut für sie ist und sie muss sich oft von mir anhören, dass sie sich gefälligst bewegen soll. Und? Daran ist nichts verwerflich. Wir dünnen müssen uns auch ständig anhören „iss doch mal gscheid“ „von dem bisschen kann ja kein Mensch leben“ und und und. Ich habe noch nie zu meiner Tochter gesagt „leg jetzt das letzte Brot wieder weg und iss das nicht“. Insofern, alles gut Christiane 🙂

    LG Katrin

  2. Hi.sehr schön zu lesen deine Beiträge. Habe vor kurzem eine Ratgeberseite zum Thema Fitness Tracker ins Leben gerufen (klicke meinen Namen um zu der Seite zu gelangen bei Interesse). Dort suche ich noch schöne Blogs wie Ihren zum verlinken. Darf ich Sie bei mir verlinken? Lg

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