Allein auf weiter Flur – der Breisgau-Triathlon 2017 (Jedermann-Distanz)


Wenn man zum zweiten Mal an einem Rennen teilnimmt, hat das einige Vorteile: Man kennt die örtlichen Gegebenheiten schon, hat eventuell noch die ein oder andere Besonderheit der Organisation im Kopf, bzw. weiß um eventuelle Schwierigkeiten. Sprich: Man ist einfach ein bisschen entspannter. Ein paar Nachteile hat es jedoch auch: Man hat schon ein festes Bild im Kopf und – was noch wichtiger ist – man will unbedingt gewinnen. Also gegen sich selbst, versteht sich in meinem Fall. So ein bisschen schneller als im Vorjahr wäre ja schon schön. Mit diesem Minimal-Ziel stelle ich mich der Herausforderung Breisgau-Triathlon also zum zweiten Mal. 

Weil ich aus den Fehlern vom letzten Jahr gelernt habe, nehme ich diesmal den offiziellen Parkplatz auf dem Firmengelände, wo man auch die Startunterlagen bekommt. Hier hoffe ich auf Informationen bezüglich Neo-Freigabe (JA!), sowie darauf, dass ich nach getaner Tat wesentlich weniger Strecke mit dem Packesel-Rad zurücklegen muss. Da ich nach mittlerweile 5 (inklusive diesem) Triathlons nicht mehr ganz so der Rookie bin, tut es natürlich immens gut fürs Ego, einem netten Pärchen im Nachbar-Auto ein paar Tipps mit auf den Weg zu geben. Ich alter Hase, ich.

Im Gegenzug darf ich mich ihnen auf der Suche nach dem Schwimmstart anschließen, da sie die Gegend kennen. Verfahren tun wir uns trotzdem. Allerdings nicht schlimm. Die Startzeiten liegen dieses Jahr eine Stunde später als im Vorjahr, was für mich alles wesentlich entspannter macht. Ich checke mein Rad ein. Keine Probleme. Dass mein Helm kaputt ist, weiß ich zu dem Zeitpunkt zum Glück noch nicht.

After-Race und Run-Beutel am LKW abgeben und am Dixi anstellen. Dieses Jahr sind die Schlangen deutlich kürzer. Das liegt jedoch nicht an einer verbesserten Toiletten-Lage (immer noch nur 3 Dixis + Pissoir in der Wechselzone und 1 am Schwimmstart), sondern daran, dass vermutlich aufgrund des gleichzeitig stattfindenden Allgäu-Triathlons die Teilnehmerzahl deutlich niedriger ausgefallen ist als im Vorjahr. Vielleicht liegt es auch ein bisschen am Maisfeld direkt nebenan. Aber da kann ich nur spekulieren.

Am Schwimmstart treffe ich auf Lotta und Schorsch von Tri-it-Fit. Bisher kennen wir uns nur virtuell, und ich freue mich immens, die beiden mal richtig kennen zu lernen. Lotta kann leider aufgrund einer Verletzung nur anfeuern, aber Schorsch ist motiviert bis in die Haarspitzen. So vergeht die Zeit bis zum Start sehr schnell. Ich versuche meinen Neo anzuziehen, natürlich falschrum. Ok, wie war das mit kein Rookie mehr?

Ich schwimme ein paar Meter durch den Müller-See. Im Neo ist das Wasser richtig kuschlig. Einige starten ohne. Würde auch gehen, aber den Luxus gönne ich mir jetzt. Kaum bin ich die paar Meter rausgeschwommen, kommt auch schon die Aufforderung das Einschwimmen zu beenden. Ich reihe mich wie immer hinten links ein. Trotzdem geht es mit dem Startschuss auch am Frauenstart mächtig zur Sache. Ich versuche mich so gut es geht rauszuhalten. Das klappt auch so weit und ich finde meinen Rhythmus. Im Neo traue ich mir auch immer wieder kleinere Kraulabschnitte zu und bleibe ganz gut im Feld. Das Schwimmen ist doch deutlich schneller vorbei als in Frankfurt. Raus aus dem See, diesmal ohne blutige Nase, rein in die Wechselzone. Leider rächt sich jetzt der Neo. Ich komme aus dem blöden Ding nicht raus. Der Zeitmess-Chip hängt fest. Ich zerre, würge, ziehe. Endlich! Da es auch nicht ganz so warm ist, will ich ein Radtrikot überziehen. In das komme ich jetzt nicht rein. Grrrrr! Und brauchte man wirklich immer schon so viele Umdrehungen um die Radschuhe zuzumachen? Ich spurte los, ziehe im Laufen das Radtrikot über. Das hätte besser sein können…

Endlich hab ich mein Rad und steige mehr oder weniger elegant in die Klickpedale. B-Note ist jetzt aber auch egal. Mein Puls ist am Anschlag. Der Anfang der Radstrecke ist recht eng. Vor mir kämpft eine Sportlerin mit ihrer Schaltung. Ich würde ja gerne vorbei fahren, aber das geht nicht, weil sie im Zickzack rumeiert. Das nervt ziemlich, und außerdem demoralisiert es mich etwas, dass sie nach gelöstem Schaltproblem locker davon zieht. Möh!

Und überhaupt. Eines scheine ich in der Wechselzone vergessen zu haben: Meine Radbeine. Irgendwie wollen die nicht so recht. Ich habe Schwierigkeiten, meinen Puls aus dem roten Bereich rauszuhalten und kriege kein so rechtes Tempo in der Ebene. Außerdem bin ich ziemlich alleine, und wenn ich auf einen anderen Fahrer treffe, dann nur, weil der mich überholt. Das war letztes Jahr anders. Da waren immer ein paar Teilnehmer um mich rum im ähnlichen Tempo. Am Höllen-Hammer-Killer-Anstieg (ächz!) – niemand. Erst ganz am Schluss eine Radlerin zum Frühstück. Danke! Das streichelt das Ego ein wenig.

Mitten auf der Radstrecke liegt ein Snickers. Das ist sehr zuvorkommend, aber leider kann ich Snickers nicht leiden. Vielleicht freut sich jemand anderes drüber.

Die Abfahrten nehme ich deutlich wagemutiger als noch vor einem Jahr und hoffe, so Zeit gutzumachen. Ein paar wahnsinnige Mitteldistanzler semmeln auf ihren Hightech-Carbon-Schnitten mit Todesverachtung an mir vorbei, ebenfalls auf der zweiten Abfahrt in den Weinbergen, die dieses Jahr zwar trocken, aber nicht weniger eng und holprig ist. Mir ist völlig unklar, wie man da so runterheizen kann. Alle Unebenheiten sind zwar hervorragend markiert, aber das ändert ja nichts an der Tatsache, dass sie da sind. Sollte ich jemals eine Mitteldistanz in Angriff nehmen, dann bestimmt nicht hier. Der Wettkampf ist toll, aber diese Radstrecke dreimal fahren? Muss nicht sein. Daran ändern auch die tollen Helfer an den Verpflegungsstationen nichts. Ich lasse sie aus und setze auf mein Proviant an Bord. Vermutlich würde ich sowieso einen Helfer umfahren oder vom Rad fallen. Aber ich muss ja auch nur 32 km und keine 90.

So ganz zufrieden bin ich mit meiner Radleistung nicht, als ich in der Wechselzone ebenfalls semi-elegant vom Rad gleite, welches direkt von einem Helfer abgenommen wird. Und das offizielle Resultat bestätigt mir dann später auch die fast exakt gleiche Radzeit wie im Vorjahr trotz schnellerer Abfahrten.

Eine Helferin steht schon mit meinem Beutel parat, nimmt mir die Radsachen ab, stellt mir die Schuhe raus. Ich liebe Euch, Leute! Schnell zwei Gels in den Einteiler stopfen – Gel Nr. 2 werde ich am Abend unbeschadet aus der Waschmaschine ziehen – und los.

Jetzt läuft es wieder – im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Gel ziehe ich gleich weg und nehme auch dankbar einen Schwamm zum Abkühlen. Das Wetter ist top, aber jetzt wird mein Kopf irgendwie warm. Etwas weiter am Streckenrand stehen ein paar enthusiastische Kinder mit Extra-Abkühlung durch Wasserpistolen und Eimer bereit. Sie haben einen Riesen-Spaß und spritzen auch nur auf Anfrage. Sehr cool!

Gleich zu Beginn der Laufrunde entdecke ich meine Schwiegereltern am Streckenrand, und im Rot-Kreuz-Zelt steht ebenfalls erweiterte Verwandtschaft parat. Das gibt nochmals einen extra Kick. Aber das Einsamkeits-Thema zieht sich durch. Wo sind die ganzen Leute, die sich auf dem Rad verzockt und / oder kein Koppeltraining gemacht haben? Oder zumindest die Leute, die etwa mein Tempo haben? Ich kann insgesamt nur 2 Jedermänner einsammeln. Ein Stück weiter vorne auf der Strecke läuft eine Teilnehmerin mit Jacke um die Hüften. Die…muss…ich…kriegen!

Ich kriege sie nicht. Merke: Manchmal steht zwar Uschi drauf, aber Paula Radcliffe steckt drin.

Die Zuschauer sind toll. Eine ältere Dame feuert vom Fenster aus an. Der ganze Ort ist im Triathlon-Fieber. Das macht wirklich Spaß und pusht. Auf die zweite Runde habe ich zwar nicht mehr wirklich Lust, aber das ändert ja nichts. Das Problem ist auch mehr der Kopf. Die Beine können noch. Also nochmal. Schwamm, Wasser, und Cola als Motivationsschub. Die 3 km gehen jetzt auch noch irgendwie rum.

Endlich die Ziellinie! Der Moderator sagt meinen Namen falsch. Naja, nachdem ich letztes Jahr völlig ignoriert wurde, ist das ja schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Ich bekomme den Chip abgenommen und mein Finisher-Shirt. Ich liebe Finisher-Shirts! Dann wanke ich in die weltbeste Zielverpflegung und fräse mich erst mal durch das Obstangebot, bevor ich mich mit einem Schokomuffin und einem alkoholfreien Bier niederlasse. Uff!

Laut meiner Uhr bin ich etwa 3 Minuten schneller gewesen als im letzten Jahr. Ich habe also gewonnen. 🙂 Allerdings verdanke ich das nur dem Laufen. Schwimmen war minimal langsamer und Rad fast gleich. Aber egal. Schneller ist schneller. Wäre mit besseren Radbeinen mehr drin gewesen? Klar, aber das kann ich nicht ändern. Das wichtigste ist ja sowieso, heil und gesund ins Ziel zu kommen, und eine gute Zeit ist nur ein Bonus.

Die Toilette in den Duschen ist diesmal offen. Hurra! Ich erneuere in der Umkleide auch eine Bekanntschaft aus dem letzten Jahr – das ist schön, wenn man sich so langsam kennt – und treffe auch Lotta und Schorsch nochmals vor der Halle.

Der Fahrrad-Checkout ist wesentlich früher möglich als angekündigt. Da bin ich nicht böse. Der Parkplatz war eine gute Entscheidung und einen Beutel kann ich meinen Schwiegereltern überlassen. So geht es wesentlich entspannter zum Auto. Da treffe ich auch das nette Pärchen wieder. Es war ihr erster, aber nicht ihr letzter Triathlon. Schön!

Als ich das Fahrrad verstaue und meinen Helm abnehme, stelle ich leider fest, dass dieser hinüber ist.

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Das finde ich ziemlich ärgerlich, da ich den Helm erst seit ca. 1 Jahr habe und er auch nicht ganz billig war. Allerdings habe ich keine wirkliche Erklärung dafür, denn von außen sieht er komplett unbeschädigt aus, und ich war auch immer nett zu ihm. Das Styropor ist einfach herausgebrochen. Es ist auch gut möglich, dass er bereits vor dem Wettkampf kaputt war und ich es nur nicht gesehen habe. Jedenfalls – think positive! – bin ich froh, dass ich es erst nach vollendetem Wettkampf bemerkt habe.

Danke an alle Helfer für ihren Einsatz! Wir sehen uns nächstes Jahr!

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9 Kommentare zu “Allein auf weiter Flur – der Breisgau-Triathlon 2017 (Jedermann-Distanz)

  1. Klasse gemacht und wie immer ein toller Bericht – und glaub‘ mir die 3 Radrunden sind bei der MD in Malterdingen das kleinste Problem 😉 – Du hast nicht zufällig einen kurzen Blick durch das Tor auf den Anstieg der „großen“ Laufrunde gewagt !?! *sfg*

    Viele Grüße

    Andy

    P.S. Und so langsam sollte es doch mal mit einem Treffen klappen

    • Danke!
      Nein, den Anstieg hab ich mir nicht angeschaut, aber der würde mich vermutlich nicht so sehr schrecken. Zur Not kann man da auf allen Vieren hoch. 😉
      Ja, ein Treffen wäre schon cool. Vielleicht auf halber Strecke? Im Herbst bin ich wieder beruflich in Obermarchtal, aber da ist der Zeitplan immer echt eng getaktet.

  2. Liebe Christiana,

    ich komme leider jetzt erst dazu, deinen Post zu lesen. Aber es hat sich schon gelohnt. Selten so gelacht über einen Blogbeitrag! 😀 Vielen Dank für die unterhaltsamen Eindrücke in deinen Kampf und Sieg! 😉

    Beste Grüße von Schorsch und mir,

    Lotta

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