Marke oder Discounter?


Die Diskussion ist sicher so alt wie die Konsumgesellschaft selbst, und kann hier natürlich auch nur aus meiner ganz persönlichen Sicht beantwortet werden. Jedoch kam ich heute Morgen aktuell wieder in eine (unfreiwillige) Testsituation, bei der sich dann so langsam im Hirn ein Text formierte, und der will jetzt natürlich raus. 😉

Den wirschaftsethischen Aspekt, z.B. was die Produktionsbedingungen angeht, möchte ich hier ganz bewusst ausklammern, denn auch wenn mir diese Frage sehr am Herzen liegt, weiß ich letztendlich zu wenig darüber. In dieser Beziehung schenken sich die Markenartikel-Hersteller und die Discounter aber vermutlich leider nicht viel, auch wenn ja glücklicherweise zunehmend ein Umdenken zu Beobachten ist.

Was spricht für Sportklamotten vom Discounter? Ganz klar: Der Preis. Wenn ich die Wahl zwischen einem Shirt zum Preis eines mittleren Kleinwagens und einem Shirt zu 9,90 € habe, das zudem noch gut aussieht, ist ja klar, wohin ich zuerst greifen möchte. Vor allem das gute Aussehen zum erschwinglichen Preis hat dazu geführt, dass auch in unserem Haushalt nicht ganz wenige Laufklamotten von Tchibo zu finden sind.

Hin und wieder trage ich sie auch. Allerdings nicht zum Laufen, sondern nur im Studio, wo ich durchaus verschmerzen kann, wenn sie nicht ganz so hochfunktionell sind. Erstens mal schwitze ich weitaus weniger, bzw. kürzer, zum Zweiten müssen sie mich hier nicht vor Wind und Wetter bewahren.

Was die Haltbarkeit angeht, so kann ich nicht meckern. Ich habe eine mehr als 10 Jahre alte Gymnastikhose von Tchibo, die sich schlichtweg weigert, in Auflösung überzugehen und Platz für eine schicke Neuanschaffung zu machen.

Es gibt ja durchaus Menschen, auch in der Läuferszene, die hartnäckig behaupten, die Discounter-Artikel seien eigentlich Markenware, aber ohne Etikett, und daher mindestens genau so gut wie ihre teureren Gegenstücke mit Logo.

Ich möchte mal behaupten, dass ich nach 8 Jahren Lauferfahrung mit beiden Seiten (Marken und Discounter) mir darüber durchaus ein Urteil bilden konnte. Und ich kann hierzu nur ganz klar sagen: Kommt ganz auf den Artikel an.

Bei mir sind es die Sport-BHs, für jede laufende Frau ein endloses Thema. Die Herren können jetzt wahlweise kurz weglesen, oder anfangen zu sabbern, je nach persönlicher Veranlagung. 😉

Sport-BHs gibt es nur noch von Tchibo für mich. Die mit dem Brustgurt-Halter. Die sind perfekt in der Passform und wirklich keinen Deut schlechter als die von Triumph, für die man das 3-fache an Preis hinlegt, ohne dafür mehr Leistung geboten zu bekommen.

Sowohl Triumph also auch Tchibo sind nach dem Lauf klatschnass, trotz hochtrabender Klima-Management-Versprechen. Beide büßen damit auch einen Teil ihrer Haltefunktion ein. Insofern: klare Sache, hier entscheidet der Preis.

Der aktuelle Testfall, der meine sonstige Meinung jedoch bestätigt hat, war der Regenlauf heute morgen, und dabei: die Socken. Gut, die waren nicht von Tchibo, sondern von Aldi, aber in dem Fall kommt das ziemlich aufs Gleiche raus.

Mal wieder bin ich durch die Pfützen gepflügt, bzw. durch einen 10 cm tiefen Wasserlauf, wo einmal ein Weg war, so wie letzte Woche auch. Letzte Woche trug ich Socken von RP, diesmal also Aldi. Letzte Woche wurden die Füße nass, diese Woche auch. Was allerdings ein deutlicher Unterschied war, war das „Gefühl von Nass“.

Letzte Woche musste das Wasser aus den Schuhen ablaufen, und ich hatte in den RP-Socken, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz, das Gefühl von warmen trockenen Füßen. Auch wenn ich sie beim Ausziehen hätte auswringen können, die Socken haben sich am Fuß während des Laufs nicht wesentlich anders angefühlt als trocken. Das stellte sich heute definitiv nicht ein. Heute waren die Füße nass, tatsächlich und gefühlt, und blieben es auch.

Hier also ein klarer Sieg für die Marke, wobei die RP-Hausmarke ja noch nicht mal zum besonders hochpreisigen Segment gehört. Was mag erst passieren, wenn ich mir mal Socken von X-Bionic leiste? Föhnen die die Füße trocken und die Schuhe gleich mit? Haben sie einen Wasserstands-Anzeiger? Oder heizen sie sich vielleicht gar automatisch auf, um die Füße kuschelig zu halten? Mmm… 😀

Soviel zu den Socken. Jetzt zu den Shirts.

Der Feuchtigkeitstransport ist auch hier nicht derselbe. Wenn ich meine Markenshirts aus der Wäsche hole fühlen sie sich wesentlich trockener an, als die Tchibo-Shirts meiner besseren Hälfte, die auch mindestens einen halben Tag länger zum trocknen brauchen. Schon dieser kleine Test zeigt wesentliche Unterschiede. Beim Laufen ist es dasselbe. Die Discounter-Sachen kleben bei mir immer nach kürzester Zeit am Körper, und ich laufe Gefahr, auszukühlen. Ich gehöre nun mal zu den Leuten, die eher stark schwitzen. Meine bessere Hälfte weniger. Deshalb ist sie mit ihren Tchibo-Shirts auch ganz glücklich, ich kauf die Dinger nicht mehr.

Hinzu kommt, dass billige Shirts bei mir trotz – wie ich meine – untadeliger Körperhygiene und Waschen nach jedem Gebrauch, nach relativ kurzer Zeit von Laufshirts zu Stinkshirts mutieren. Irgendwas muss in diesen Fasern sein, das wie die alten Synthetikklamotten ganz ordentlich unangenehm werden kann. Das geht dann auch nicht mehr wirklich raus. Ich habe zwar auch ein paar Marken-Stinkshirts, aber die haben wesentlich später damit angefangen. Da muss ich wohl mal ein paar entsorgen. Seufz.

Hosen.

Hosen gehen durchaus vom Discounter, wobei ich auch die nicht im Regen tragen würde. Aber so für den kleinen Bewegungshunger zwischendurch sind die ok.

Ganz wichtig, wenn man wie ich bei jedem Wetter läuft, ist natürlich auch die äußerste Schicht in Gestalt einer Laufjacke. Auch hier begann mein Weg mit Tchibo. Atmungsaktivität war versprochen. Zu merken war sie nicht nennenswert. Kann sein, dass es nicht ganz so nass wurde wie unter einer Mülltüte, beschwören würde ich es nicht.

Hier habe ich mittlerweile zwei wirklich hochpreisige Teile von Gore: eine Windstopper-Weste und eine dünne Windstopper-Softshell-Jacke, und beide sind schon mehrere Jahre alt, haben aber von ihrer Funktionalität und ihrem Aussehen kaum etwas eingebüßt. Auch die Reflektor-Streifen, die sich bei meinen Laufklamotten, unabhängig von Marke oder Discounter, häufig schon nach kürzester Zeit verabschieden, sind leuchtend wie am ersten Tag. Die Funktionalität ist erste Sahne und hält, was sie verspricht. Rechnet man nun den Anschaffungspreis auf die Jahre um, die ich diese Teile schon habe, dann ist man wieder auf Discounter-Niveau.

Ich denke, über Laufschuhe vom Discounter muss man hier gar nicht diskutieren. Wer orthopädisch völlig unbelastet ist, gut trainiert und leichtgewichtig, mag damit klarkommen, mir würde schon die Testmöglichkeit auf dem Laufband fehlen.

Daher ist der Weg, der sich für mich abzeichnet, folgender: Lieber gezielt Teile von namhaften Herstellern kaufen, die sich gerade auf dem Gebiet, wo man sie einsetzen möchte, bewährt haben, als immer mal wieder zu den hübschen bunten Discounter-Sachen zu greifen, weil sie halt so schön billig sind. Außer bei Sport-BHs. 😉

Natürlich ist mir klar, dass man auch immer den Markennamen mitbezahlt. Das ist ärgerlich, aber leider nicht zu ändern. Deshalb schaue ich auch immer sehr genau die Sale-Angebote an, weil man da doch das ein oder andere hochwertige Kleidungsstück  zu geringerem Preis ergattern kann, und dass es von der Vorjahres-Kollektion ist, stört mich zumindest nicht wirklich. Aber neben dem Namen zahlt man doch auch ein ganzes Stück Forschungs- und Entwicklungsarbeit, das nicht umsonst dafür sorgt, dass die Kleidung immer besser auf die Bedürfnisse aller Läufertypen abgestimmt wird. Ja, man zahlt natürlich auch das Marketing, und ich möchte lieber nicht darüber nachdenken, wieviel bei den Menschen noch ankommt, die die Teile wirklich nähen. Aber dem müsste man einen eigenen und besser recherchierten Beitrag widmen. Frau Schmitt hat da mal was zu geschrieben. Lesenswert. Nur wer sich darüber aufregt, dass man bei den Marken allein für den Namen schon zahlt, und die Leute aus der Produktion kaum einen Bruchteil davon bekommen, der sollte auch darüber nachdenken, wie viel für diese Menschen bei den Discounter-Klamotten abfällt, und unter welchen Bedingungen und zu welchen Löhnen die Angestellten von Aldi, Lidl und co. arbeiten, um die attraktiven Preise für die Kunden zu ermöglichen.

Die Diskussion ist eröffnet. Feuer frei!

 

 

 

 

Advertisements

12 Kommentare zu “Marke oder Discounter?

  1. Auch ich trage ab und an Teile vom Discounter. Vorzugsweise auch Hosen. Da passt bei mir alles. Mag es da soweiso nicht zu eng und dann kann auch nicht zu viel falsch laufen.
    Schuhe würde ich mir auch nie dort kaufen.
    Und bei Shirts würde ich schon zugriefen, wenn ich 1. nicht shcon mehr als genügend hätte und 2. diese auch mal schön designt wären und bunt. Immer nur schwarz und grau muss auch nicht sein!

    • Ja, die Hosen gehen am ehesten, aber selbst da hab ich neulich eine 3/4 Tight sofort wieder zurückgebracht, weil sie extrem merkwürdig war. Ich hab aber noch eine aus „Altbeständen“, die immer noch gut ist.

  2. Ausschließlich Markenware, habe einige Fehlkäufe von minderwertiger Discounterware hinter mir, die einfach nicht meinen Ansprüchen genügt hat, damit meine ich nicht modisch gesehen 😉
    Bei den Markenartikeln ist es leider so, dass die nicht so schnell kaputt gehen und damit die Rechtfertigung für den Neukauf immer so schwierig ist. Ich habe eine Gore-Jacke aus 2005 oder 2006, hunderte mal getragen und gewaschen, immer noch top. Zum Glück hat meine Tochter den Laufsport für sich entdeckt :mrgreen:

    Salut
    Christian

  3. In den 10 Jahren, in denen ich laufe, haben sich ordentlich viel Sportklamotten angesammelt. Eigentlich aber brauch ich im Jahr höchstens ein neues Teil kaufen, wenn überhaupt. Ich hole mir hier hochwertige Produkte, die anfänglich beim Kaffeeröster erstandenen Sachen waren deutlich schneller verschlissen und sind schon lange nicht mehr Bestandteil meines Equipments. Da ich ausgestattet bin und nicht zwingend neue Sachen brauche, schaue ich immer bei den runtergesetzten Dingen oder im Outlet und kaufe da dann mal Schnäppchen ein – hat sich bewährt. Wer zu billig kauft, kauft zweimal. Mal ganz davon ab, dass ich die Machenschaften von Discountern und Kaffeeröstern (Plagiate, unter Druck setzen der Zulieferer etc.) nicht unterstützen möchte. So meine Meinung. 🙂

    • Ja, genau so halte ich es auch. Und dein Spruch „Wer billig kauft, kauft zweimal“ hat sich bei mir schon so bewahrheitet, dass ich es langsam gelernt habe.

  4. Zu meinen Laufanfängen habe ich mich auch beim Discounter eingedeckt und war damit zufrieden. Mit zunehmender Intensität reichten mir die Teile dann irgendwann nicht mehr. Da betraf insbesondere die Laufhosen mit ihrer Passform.

    Laufsocken und -Shirts habe ich teilweise noch sehr lange vom Discounter benutzt, genauso wie einen Windbreaker, den ich nahezu ewig hatte.

    Heute achte ich nicht mehr auf die Angebote, kaufe lieber Markenklamotten und greife dabei gerne, wie Du, zu reduzierten Teilen.

    Einige Teile haben ich sogar von einem deutschen Hersteller, der auch nur hier produziert (der wirbt mit einem Schimpansen 😉 ) Allerdings ist seine Laufklamottenauswahl sehr beschränkt.

    Zu den Arbeitsbedingungen in den asiatischen Produktionsländern: Ein schwieriges Thema, das sich hier nicht ausdiskutieren läßt. Betrifft ja auch alle anderen Produkte.

    Liebe Grüße
    Volker

    • Für den Anfang sind die Sachen zum großen Teil wirklich ok. Einsteiger sind von den hohen Preisen der Markenartikel zunächst sicher auch abgeschreckt. Wusste gar nicht, dass der Schimpanse auch Laufsachen hat…

  5. Meine Erfahrungen über Jahrzehnte:

    ES LOHNT SICH
    mehr auszugeben
    lieber ein gutes Teil
    als zwei
    über die man sich ärgern muss
    darum
    nur Qualität
    die ihren Preis hat
    aber deren Anschaffung sich in jedem Falle lohnt
    ich muss die Teile nach Jahren verschenken
    wenn ich sie nicht mehr sehen kann
    weil sie noch so gut erhalten sind
    und dann auch noch anderen Freude bereiten.

    YES !
    keine Kompromisse !

    • Mmm verschenken…. gute Sache, bei meiner Neigung zu Stinkshirts allerdings vermutlich das Ende jeder Freundschaft. Da greife ich dann doch eher zum Altkleidersack, kann mich aber kaum jemals von etwas trennen.

  6. Du sagst es schon richtig, es kommt auf das Teil an. Zu Beginn waren Disountersachen ok. Wie der gute alte Käfer. Aber es gibt eben auch Mercedes. Und wenn man viel läuft, schätzt man Qualität. Die Markenware sehe ich bei Passform und Verarbeitung immer vorn, Trageeigenschaften auch. Wie Du habe ich für Winter und Regen auch 2 hochpreisige Modelle (allerdings dank Sale günstiger) im Schrank, die ich nicht mehr missen möchte. Einen Lauf-BH von Tchibo hatte ich auch mal und war anfangs damit zufrieden, doch dann scheinen die den Hersteller gewechselt zu haben, seitdem passten die mir nicht mehr.
    Ja, und zu Discounterschuhen muss ich hier nichts sagen, die kamen für mich nie in Betracht.
    Liebe Grüße
    Elke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s