Meine 2. Olympische Distanz – leichte Ernüchterung in Freiburg


Vorbemerkung: Die Links in diesem Beitrag könnten als Werbung verstanden werden, allerdings habe ich dafür keine Vergütung erhalten und strebe das auch nicht an.

Nachdem ich im letzten Jahr in Frankfurt mein OD-Debut so richtig genossen hatte, wanderte mein Mauszeiger quasi von selbst bei der Anmeldung zum Freiburg-Triathlon auf die Option „OD“. Man hat ja schließlich seine Standards. Außerdem hatte ich in Freiburg ja meinen allerersten Triathlon überhaupt auf der Jedermann-Distanz absolviert und das Rennen in sehr guter Erinnerung. Was könnte also näher liegen? 

Was ich zu diesem Zeitpunkt jedoch NICHT auf dem Schirm hatte, war die Tatsache, dass in diesem Jahr die Baden-Württembergischen Meisterschaften über die Kurzdistanz ausgetragen wurden, was natürlich einen direkten Einfluss auf das Teilnehmerfeld hat. Deshalb lief das Rennen nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber von Anfang an:

Den allerersten Satz, den ich von einem Mitstreiter auf dem Parkplatz hörte, war: „Wieso startest du denn ohne Auflieger?“ Ähhh…ja…nun… zunächst mal besitze ich keinen, und außerdem könnte ich gar nicht damit umgehen. (Wird ein Projekt für den Winter, Anm. d. Red.)

Dann gab es bei der Anmeldung eine Panne, weil ich meinen Startpass im Auto hatte liegen lassen. Das war zum Glück nicht so weit weg, aber es erhöhte den Stresspegel doch ein wenig, weil die Zeit natürlich knapper wurde.

Beim Rad-Check-in verlief alles reibungslos und ich hatte den coolsten Radplatz ganz außen, so dass ich mein Rad garantiert schnell finden würde können.

Umziehen war auch noch lustig, da niemand daran gedacht hatte, die Umkleiden geschlechtsspezifisch zu kennzeichnen. Da war ich jedoch schon am „Ist-jetzt-auch-egal-Punkt“. Als ich rauskam, stand ein betreten grinsender Helfer mit Schildern parat, und wir erklärten die von mir verlassene Umkleide kurzerhand als „Damen“.

Ich freute mich sehr, in der Toilettenschlange auf Lotta von tri-it-fit zu treffen, (Warum treffen wir uns immer in der Klo-Schlange?) und erstmals auch Marco vom Triathlon-Concept-Store live kennenzulernen, nachdem wir schon lange über Twitter Kontakt haben.

Dies alles führte allerdings dazu, dass ich vergaß, meinen Riegel spätestens 1/2 Stunde vor dem Start wegzumampfen, was wiederum dazu führte, dass er mir später beim Schwimmen wie ein Stein im Magen lag.

Angesichts der sommerlichen Hitze war natürlich Neo-Verbot, was ich aber als nicht sonderlich schlimm empfand. Am Schwimmstart gab ich noch einigen Rookies ein paar Tipps, was eine wunderbare Art ist, sich von der eigenen Nervosität abzulenken. Eigentlich war ich gar nicht so nervös. In Frankfurt war mir echt die Düse gegangen, aber hier war die Radstrecke ja kürzer, ebenfalls schön flach, und ich hatte die Distanz ja schon mal bewältigt. Bei der Wettkampfbesprechung outeten sich einige als Ersttäter. So wie ich vor 2 Jahren. Ein gutes Gefühl. 🙂

Beim Schwimmen lief auch noch alles so weit super – trotz Riegel. Ich reihte mich schön hinten ein, hielt mich aus dem Geprügel raus, und konnte ziemlich schnell recht frei schwimmen. Ab und an gab es leichte Kollisionen mit total desorientierten Schwimmern – einer davon schwamm fast in die Gegenrichtung – aber nichts Dramatisches. Mit meiner Schwimmzeit von 33:33 war ich super zufrieden. So viel habe ich früher für 1000m gebraucht.

Obwohl noch einige hinter mir waren, war die Wechselzone bereits ziemlich leergefegt. Egal, dachte ich, auf dem Rad hol ich mir ein paar wieder.

So kann man sich irren.

Aufstieg Rad

Copyright: Tri-Team Freiburg, Foto: Karl Scherzer

Kaum saß ich auf dem Rad, schossen all diejenigen, die ich im Schwimmen abgehängt hatte, mit einem Höllen-Speed an mir vorbei. Und ich meine wirklich alle (bis auf 1). Dabei war ich gar nicht so schlecht unterwegs. Ich bin einen 28er Schnitt gefahren. Für mich ziemlich cool. Ich wartete vergeblich auf den Teilnehmer mit dem MTB oder Trekkingrad. Von mir aus auch ein Klapprad, aber irgendwer zum Überholen! Nix, nada.

Selbst eine Handbikerin (Riesen-Respekt an dieser Stelle!) machte es mir nicht einfach. In der zweiten Runde fuhr ich dann endlich auf einen älteren Teilnehmer auf, der ein bisschen langsamer an den kaum erwähnenswerten Anstiegen war. Was dem Ego zunächst gut tat, erwies sich dann als Fluch. Denn kaum hatte ich den Herrn überholt, muss er sich in meinen Windschatten gehängt haben, denn er zog gleich darauf wieder mit Leichtigkeit vorbei, nur um dann wieder langsamer zu werden. Das Spielchen haben wir so 4 oder 5 Mal in kürzeren und längeren Abständen absolviert. Dass mich jeder Antritt Körner kostete, brauche ich ja nicht extra zu sagen.

Als es dann auf die Laufstrecke ging, war ich schon ziemlich platt, und hatte irgendwie keinen Bock mehr. Ok, ich hatte mich damit abgefunden, aller Voraussicht nach letzte zu werden, das entspannte mich etwas. Aber die Laufstrecke in Freiburg (4 Runden) hat gleich zu Beginn ein Crosslauf-Element über einen Wiesenhang, was einem die ohnehin nur noch spärlich vorhandenen Kräfte aus den Knochen zieht. Dann geht es im Seepark auf eine leicht wellige Pendelstrecke. Die Zeit bis zum Wendepunkt und ersten Rundenbändchen schien unendlich lange. Wo waren all die Teilnehmer, die sich auf dem Rad verzockt hatten, und die ich jetzt hätte abfrühstücken können? Es gab sie nicht. Stattdessen scheinbar nur locker-leichtfüßig im 3er oder 4er-Schnitt dahinschwebende Athleten mit 4 Rundenbändchen am Arm. Jetzt bekam ich auch noch Magenschmerzen. Großartig. Ich dachte ernsthaft daran, auszusteigen, da entdeckte ich meine Schwiegereltern am Streckenrand, und zwar genau an dem Punkt, wo die Wiese so richtig fies ist. Das fand ich so süß, dass ich ja nun schlecht aussteigen konnte, und so schleppte ich mich Runde um Runde vorwärts. Immerhin traf ich auf meinen Rad-Rivalen und konnte wenigstens ihn klarmachen, sowie eine Läuferin, die nur noch durch das gute Zureden ihrer nebenher joggenden Freundin auf den Beinen bleiben konnte. Aber zu diesem Zeitpunkt war selbst das ein Triumph – welch niedere Instinkte!

Irgendwann war es dann das 4. Bändchen. Ich habe mich selten so gefreut, einen Menschen zu sehen, wie diese Helferin mit dem Bändchen. Jetzt „nur“ noch zurück ins Stadion und dann – oh psychologisches Grauen – einmal um die ganze Wechselzone rum, sprich: fast eine Stadionrunde, ins Ziel. Ich freute mich, von meinen Schwiegereltern in Empfang genommen zu werden. Sonst konnte ich mich gar nicht so recht freuen und war einfach nur fertig. Ich stürzte mich auf die Finisher-Melonen und vertilgte danach noch einen Kuchen nebst Kaffee. Danach war es etwas besser und ich konnte noch ein bisschen mit Lotta, Schorsch und Marco am Stand vom Concept-Store abhängen. Das war dann ziemlich nett.

Hätte ich es besser machen können? Beim Schwimmen und Radfahren nicht. Gut, beim Radfahren habe ich vielleicht sogar etwas überzogen in dem verzweifelten Versuch, wenigstens irgendjemanden einzuholen. Aber das Teilnehmerfeld war wohl einfach enorm stark. Beim Laufen wäre vielleicht mehr drin gewesen, trotz Fersensporn. Aber da hat mich einfach die Moral verlassen. Der Kopf wollte nicht mehr und der Körper hatte beim Radfahren echt Federn gelassen.

So gehe ich mit gemischten Gefühlen aus diesem Wettkampf, allerdings wild entschlossen, im Winter an meiner Radfitness zu arbeiten. Zu Weihnachten wünsche ich mir einen Auflieger. Und ein Bikefitting.

Einen ganz herzlichen Dank an alle Helfer. Ihr habt einen tollen Job gemacht und wart immer motivierend dabei. Bis zum Schluss. DANKE!

Mein Fazit:

  • gute Organisation
  • nette Atmosphäre
  • tolle Helfer
  • familienfreundlich, da alles zentral im Seepark
  • schnelle Radstrecke
  • hübsche Laufstrecke (bis auf diesen verd… Hang!)
  • extrem starkes Teilnehmerfeld
  • ausbaufähiges Finisher-Büffet

 

 

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4 Kommentare zu “Meine 2. Olympische Distanz – leichte Ernüchterung in Freiburg

  1. Liebe Christiane,
    Du hast gekämpft und Du hast gefinished, was braucht es mehr? Ich habe größten Respekt vor dieser Leistung, denn ich würde beim Schwimmen schon gar nicht wieder ans Ufer kommen 🤪

    Salut und bleib gesund

  2. Hallo Christiane,

    der Kopf ist manchmal wirklich doof – ich kämpfe ja leider immer noch mit den Nachwirkungen von Moritzburg.

    Aber Du hast gefinished – und deine Schwimmzeiten sind so langsam echt gut – das schaffe ich ohne Neo nicht immer 😦

    Und jetzt Off-Season oder gibt es noch einen Nachschlag ?

    Viele Grüße

    Andy

  3. Glückwunsch zum Finish! Das mit den Meisterschaften ist mir auch mal in Brandenburg passiert. Schon in der Wechselzone hab ich gemerkt, daß da nur >3.000€ Carbonräder mit Scheibenrädern und allem Pi-Pa-Po stehen und dementsprechend bin ich dann auch mit meinem normalen Rennrad hinterhergegurkt. Aber finishen ist alles!

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