Steigungen, Pilze und Schnaken – schon wieder ein ungeplanter Halbmarathon


Diesmal wollte ich auf Nummer sicher gehen. Diesmal legte ich die offizielle (und einzige) Wanderkarte der Region auf meinen Schreibtisch, und verfolgte minutiös jede Weggabelung auf GPSies. 20,2 km sollten es werden – so der Plan – und ich fand tatsächlich die perfekte Streckenführung.

Ja, aber erstens kommt es mal wieder anders und zweitens als man denkt. 

Denn nach etwa 5 km und nach einer steilen Abwärtspassage stieß ich auf folgendes:

Nur Goethe war (D)dichter…

Nur Goethe war (D)dichter…

Gut, ich hätte mich seitlich am Gitter vorbeiquetschen können – um dann direkt in den Bach zu fallen oder mitsamt der Brücke. Na gut, so wirklich Angst hatte ich nicht, aber ich hatte auch keine Lust, von irgendwelchen Mitmenschen erwischt zu werden. Also ein Umweg von – ihr ahnt es schon – etwas mehr als einem Kilometer. Dazu nette Hügelchen. Ach ja…

Als ich die Strecke wieder hatte, war ich schon leicht angeplättet. Irgendwie wollten die Beine nicht so richtig. Es zerrte und zog, vor allem rechts. War es das Radfahren vom Vortag? Das leicht schwüle Wetter? Der Erdmagnetismus? Alles zusammen?

Also beschloss ich, wie bei meinem letzten Longrun, von dem ich erfrischt und glücklich heimgekehrt war, alle 5 min. eine Gehpause einzulegen. Das half zumindest psychisch ganz enorm. Mein Puls war ok, nur meine Beine hatten irgendwie keine Lust.

Das Wetter war eigentlich wunderschön, der Wald mal wieder total einsam und ruhig. An einem meiner Lieblingsplätze dehnte ich ein bisschen mein rebellisches rechtes Bein. Das brachte etwas Erleichterung.

Ein schöner Platz zum Dehnen

Ein schöner Platz zum Dehnen

Das einzige, was übrigens nicht wehtat war das IT-Band. Dem ging es super. Dafür knatschte der Rest. Einen Teil der Strecke war ich neulich in die Gegenrichtung gelaufen. Die damals netten Bergab-Passagen erwiesen sich jetzt leider als knallharte Anstiege, so dass ich stellenweise stehen bleiben musste, um Kräfte zu sammeln. Aber nicht zu lange, da ich ansonsten von Insekten gnadenlos ausgesaugt worden wäre. Tempoverschärfung wäre jetzt laut Plan angesagt. Welches Tempo? Schneller stehen?

Immerhin konnte ich dadurch die Details der mich umgebenden Natur deutlich mehr würdigen. Wenn sie auch interaktiver war, als mir lieb war. Während ich diese hübschen Pilze fotografierte, schmatzte eine Schnake an meiner Handfläche.

Ich glaube, die kann man nicht essen.

Ich glaube, die kann man nicht essen.

So weit geht meine Tierliebe dann doch nicht… ich wurde zum Mörder.

Ein bisschen gelang es mir dann doch noch, das Tempo anzuziehen. Immerhin hatte ich die Strecke so angelegt, dass die letzten 4 km eben bis leicht bergab gehen sollten. Das tat dann auch richtig gut.

Als ich zu Hause ankam, war ich klatschnass, fix und fertig. Keine Ahnung, was los war. Eigentlich eine schöne Strecke, ok, recht profiliert, aber das sollte ich ja mittlerweile gewohnt sein. Nach dem Duschen hab ich meine Beine noch schön mit der Blackroll bearbeitet, aber danach konnte ich eigentlich nur noch ins Bett fallen.

Diese Woche wird jetzt meine letzte intensive Trainingswoche. Danach werde ich wieder auf 3 geplante Einheiten / Woche zurückfahren, wovon eine Einheit Tempotraining sein wird. Alles andere macht nur Stress neben der Arbeit. Das muss dann nicht sein. Und hin und wieder kann ich dann einfach so ein Läufchen einschieben, wenn mir gerade danach ist.

Am 20. September ist ein 10,3 km Wettkampf in Bodman, mal sehen, ob ich das in 65-70 min schaffe. Wäre schön. Und dann kommt Bräunlingen im Oktober. Und dann regeneriere ich ein bisschen. Aber morgen darf ich wieder Intervalle laufen. Ich hoffe, meine Beine haben dann wieder Lust.

P.S. Mag eigentlich überhaupt niemand mein Rätsel lösen? Außer Christian?

 

 

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18 Kommentare zu “Steigungen, Pilze und Schnaken – schon wieder ein ungeplanter Halbmarathon

  1. Liebe Christiane,

    gesperrte Brücken zu überwinden ist mein Lieblingssport und von Schildern lass ich mich nicht abhalten. Das ist wie, wenn ein Weg plötzlich endet, drehst Du dann um? Oder einfach in die gedachte Richtung weitergehen? :mrgreen:

    Dennoch starke Leistung und so langsam machen auch die Knochen mit, scheint es 😉

    Salut
    Christian

    • Ist das dein „medizinischer Rat“, einfach drüberklettern? :mrgreen: Das war ja nicht nur ein Schild, sondern ein Bauzaun. Mein Verhältnis zu plötzlich endenden Wegen kennst du ja. 😛
      Danke für das Kompliment. 🙂
      À plus!

  2. Man kann beim Laufen nichts erzwingen. Entsprechend gibt´s manchmal Tage sie sind halt gebraucht.
    Ich habe mich am Sonntag nach 25km abholen lassen. 35km waren geplant. Ich hatte die Wahl weiter zu laufen und mich kaputtzulaufen, oder abholen lassen. Früher hätte ich es durchgezogen und warscheinlich die Woche mit einem Infekt im Bett gelegen.
    So habe ich mich abholen lassen und hatte heute einen genialen Lauf zur Arbeit.
    Bei Dir geht´s doch kontinuierlich nach vorne. Das wird schon. Drannbleiben, ab und an mal 5 gerade sein lassen und Spaß haben!
    Nur kein Stress!

    Gruß Gerd

    • Das tröstet mich jetzt irgendwie, wenn selbst ein 100 km-Bambiniläufer da mal seine Probleme hat. also doch Erdmagnetismus. 🙂 Ansonsten, kein Stress, das stimmt schon.

  3. Da kann ich nur sagen
    jeder ist seines Glückes Schmied
    ich plädiere für Lustlaufen
    und das hat sich in den vielen Jahren bewährt
    Lust kann man sich nur auf Dauer bewahren
    wenn man so läuft
    wie es einem gut tut
    dabei sind längere Strecken beileibe nicht ausgeschlossen
    allerdings muss da Fundament auch stimmen
    und das gilt es langsam aufzubauen
    je langsamer umso besser
    nein
    ich möchte kein Besserwisser sein
    beileibe nicht
    nur aus Erfahrung berichten
    der eine lernt es irgendwann
    der andere nie

    In diesem Sinne sonnige Grüße von der Ostsee ! 😎

    • Ein Fundament sollte eigentlich so langsam da sein… 🙂 Es wird definitv in Kürze wieder Lustlaufen angesagt sein, aber würde ich nur Lustlaufen, wäre ich immer noch im 9er Schnitt unterwegs, und das ist dann irgendwann mal Frustlaufen. So langsam wird’s, aber ich freue mich schon auf die Zeit nach dem intensiven Training. 🙂

  4. Hey, manchmal sind die ungeplanten Läufe die Besten 😉 Manchmal muss man aber auch einfach abbrechen oder kommt trotz allem frustriert zu Hause an. Aber jeder Lauf ist besser als gar kein Lauf!

    Heute werde ich es (mit offizieller, ärztlicher Genehmigung) das erste Mal seit dem Unfall wieder mal mit dem Laufen wagen und das Ganze auf dem Laufband antesten.

    Es freut mich übrigens zu hören, dass du auch zum Reitervolk gehörst 🙂

    LG, Jamie

    • Ja, das Reiten fehlt mir auch echt. Aber ich wüsste beim besten Willen nicht, wie ich das unterbringen soll. 😦 Aber irgendwann wird das wieder. Super, dass Du grünes Licht gekriegt hast! Genieß es und – ja ich sage es trotzdem – mach langsam am Anfang.

  5. Laufen ist ja eigentlich nur eine Ausrede, um draussen zu sein und sich auf schönen (oft auch neuen) Wegen zu bewegen und danach ein wenig zu faulenzen. Von daher stimmt, das alles schon. Viel Spass beim wieder ruhigeren Training! (Nach ewigen Sommer Grundlagen, freue ich mich bald mal wieder ein wenig schneller laufen zu können.)

  6. Und ich wollte ja noch was zum Rätsel schreiben. Nr.1 – vielleicht Wasser unter der Karte (Boot fahren)? Nr.2 hätte ich vielleicht auf TrimmDich Pfad getippt. Oder doch Hausarbeit??

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