Wissen, wann man den Stecker ziehen muss… (Ugly destinations 1)


Heute Tempolauf. Geplant sind 7,5 km im 6:20 er Schnitt. So die ersten 3km gehen ganz gut, danach fängt es an, etwas hässlich zu werden. Bei einer Kurve erlaube ich mir den Blick auf die Garmin, in der Hoffnung, da vielleicht zu sehen, dass ich nur noch 1, irgendwas laufen muss. Schreck 😯 da stehen noch über 3 km. Röchel!  Außerdem zeigt mir Garminchen, dass ich nicht mehr im Zieltempo laufe. Der Schnitt liegt bei 6:28. Nun gut, das Trainingsprogramm berechnet für flache Strecken, aber so masochistisch veranlagt, dass ich über 7 km Runden im Stadion laufe, bin ich dann doch nicht. Da selbst die flachste Strecke in meiner Umgebung doch den ein oder anderen kleinen An- und Abstieg hat, denke ich zunächst optimistisch, dass ich dann halt bergab ein kleines bisschen schneller laufen kann, um den Tempoverlust am Anstieg zu kompensieren. Aber irgendwie funktioniert das Prinzip der Energieerhaltung beim Laufen nicht ganz so. Liegt es an der fürs Abbremsen verwendeten Energie, wenn’s bergab geht? Die kleine Erholung wiegt die zusätzliche Anstrengung des Anstiegs einfach nicht auf. 

Nach 5 km ereilt mich plötzlich heftiges Seitenstechen an bisher unbekannter Stelle. Mag daran liegen, dass ich zum Frühstück mal ein Rezept aus Vegan for Fit ausprobiert habe, das extrem lecker war, gut satt gemacht hat, leider aber Soja-Joghurt beinhaltet, den ich offenbar nicht vertrage. Das habe ich vor allem im Laufe des späteren Tages bemerkt, und die Details erspare ich gerne dem geneigten Leser.

Nun wird Attila damit leben müssen, dass ich das leckere Müsli morgen mit Naturjoghurt mache. Sorry, Attila. Da ich aber sowieso nicht vorhatte, ein Vollzeit-Veganer zu werden, sondern nur mein Speiserepertoire mit seinem Kochbuch etwas erweitern will, hält sich mein schlechtes Gewissen in Grenzen.

Wie auch immer, ich laufe noch ein paar Meter weiter, muss dann aber stehen bleiben, weil es einfach zu sehr schmerzt. Nach 1-2 Minuten ist das Seitenstechen zwar weg, und ich bin wild entschlossen, die letzten 2 1/2 km in Angriff zu nehmen, aber irgendwie will es nicht mehr so wirklich. Beine aus Schaumstoff, leichtes Frösteln, Gänsehaut. Ich trinke einen Mini-Schluck Wasser, und mir wird übel. Nee, vicsystem, das kann’s nicht sein. Mein Ehrgeiz bringt mich noch auf die 6,5 km-Marke, dann breche ich die Tempo-Einheit ab. Man muss sich auch eingestehen können, wenn’s zuviel ist. Stecker ziehen, Haken drunter.

Einen Trainingseffekt wird das Ganze trotzdem haben, und nur um im Plansoll zu bleiben, ein Wiedersehen mit meinem Müsli zu riskieren, dazu bin ich dann doch zu geizig.

Ach ja, das Müsli. Ich hab dann mal, nachdem sich heute Nachmittag deutliche Unverträglichkeitssymptome einstellten, gegoogelt. Das war eine blöde Idee. Zu so gut wie jedem Nahrungsmittel findet sich da nämlich ein Experte, der fundiert erläutert, weshalb genau dieses Nahrungsmittel dein Tod ist.

Soja ist also böse, Milchprodukte sind ganz schädlich, Fleisch sowieso, und mit den Nüssen war auch noch irgendwas. Die meisten Gemüsesorten enthalten unvorstellbare Mengen an Zucker oder Stärke, Obst ist ganz schlecht für den Darm, und Getreide pures Gift.

Jaaaaaa…

Die gesündeste Form der Ernährung wäre offenbar, gar nichts mehr zu essen, aber das ist ja dann auch tödlich. So wird es also dabei bleiben, dass ich alles weiter wie bisher esse, ganz selten mal Fleisch oder Fisch, viel Gemüse, viele Milchprodukte und bisweilen eben auch mal Soja. Und… Nutella! Meine persönliche Rache am Gesundheitswahn.

Auch hier muss man wissen, wann man einfach den Stecker ziehen, und sich entspannen muss.

Wer sich jetzt über das „Ugly destinations“ im Titel wundert: Das kommt jetzt.

DocRunner hat in seinem letzten Blogbeitrag angestoßen, doch mal nicht nur die wunderschönen Impressionen, die man beim Laufen so mitnimmt, zu dokumentieren, sondern auch ein paar häßliche Seiten zu zeigen. Ich halte es da mit Baudelaire, der in der Häßlichkeit auch eine ihr eigene Schönheit zu entdecken vermag. Daher hier zwei hübsch-hässliche Locations, die an meiner Tempolauf-Strecke liegen.

2014-08-07 11.08.14

Hier handelt es sich um den Hinterhof einer vor allem in Ärztekreisen durchaus bekannten Software-Firma, die sich ihre Räumlichkeiten mit einem Verpackungs-Unternehmen teilt. Hübsch…

Dieses Haus, mitten an einer belebten Straße, steht schon seit Ewigkeiten leer und seine Sperrholz-Fenster sind irgendwie deprimierend.

Dieses Haus, mitten an einer belebten Straße, steht schon seit Ewigkeiten leer und seine Sperrholz-Fenster sind irgendwie deprimierend.

Morgen ist Pausentag. Mal sehen, was ich beim nächsten Mal an Scheußlichkeiten präsentieren kann… :mrgreen:

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11 Kommentare zu “Wissen, wann man den Stecker ziehen muss… (Ugly destinations 1)

  1. Da gibts so viele Sachen im Post, zu denen ich was schreiben könnte. 🙂 Richtig erkannt, wann man den Stecker ziehen muss. Das ist echt wichtig. Und was die Lebensmittel angeht – wir sollten von Luft und Liebe leben oder Lichtnahrung oder so. Nachdem ich ja Schilddrüsenbefreit bin, dürfte ich nach Forum Nr. 1 überhaupt kein Soja mehr essen. Dabei gehört Sojamilch und Tofu bei mir natürlich recht regelmässig zum Speiserepertoire. Und was ist? Ich bin besser eingestellt als viele andere. Aber es hat – wie Gluten oder Nüsse – eben ein hohes Unverträglichkeitsrisiko. Deshalb ist es kein schlechtes Lebensmittel. Wie eben Nüsse und Weizenbrot auch nicht. Jaja… und jeder hat so seine eigene Wahrheit, wenn man googelt.

    Danke für die ugly destinations. Ich werde morgen nachlegen. 🙂

    • Lichtnahrung! Geht gar nicht, wegen der UV-Strahlen. Die sorgen für Magenkrebs… :mrgreen:
      Und ansonsten: Ein Nahrungsmittel kann noch so gut sein, wenn man’s damit übertreibt, wird es auch zum Risiko. Bin gespannt auf Deine ugly destinations.

  2. Ha, ich hatte Recht: Trainingspläne und Ernährungspläne sind von Grund auf böse, vertraue keinem und Du machst es genau richtig, das beweist Dein Soja-Joghurt-Erlebnis, obwohl ich es eigentlich mag, und auch Dein Tempolauf, was ich eigentlich auch mag :mrgreen:
    Das Hinterhof-Werksgelände Bild ist wirklich scheußlich, aber die Hausfassade hat schon fast wieder was romantisches, immerhin sprießt da was grünes am Sockel 🙂 Vielen Dank fürs beteiligen und den launigen Beitrag, hat Spass gemacht zu lesen.

    Salut
    Christian

    • Oh, immer wieder gerne!
      Ich fand den Joghurt auch lecker, aber nun…
      Der Tempolauf hat auch Spaß gemacht, bis km 5. Wird schon. Weitere Scheußlichkeiten folgen. 😉

  3. Es gibt wohl keinen Menschen auf dieser Erde, der alles essen kann und dabei nie Probleme mit seinem Bauch bekommt. Von daher gibt es auch genügend Experten für alles 🙂
    Wichtig ist wohl nur, dass man seine Lebensmittel kennt und diese eben nicht oder nur selten zu sich nimmt, dann klappts auch mit dem Laufen

  4. Schließe mich Christian an, was die Ernährung und die Trainingspläne betrifft, du kennst meine Meinung, und wenn das so endet wie an diesem Tag – mal abgesehen vom Soja-Joghurt – dann müsste dir doch ein Licht(lein) aufgehen – oder nicht ?

    Wie auch immer
    schon meine Großmutter
    und deren Großmutter
    sagten dazu passend:
    jeder ist seines Glückes Schmied…….
    und irgendwie hat man es schon selbst am eigenen Leib gespürt
    so wie du an diesem Tag
    und wir alle………

  5. „Nutella! Meine persönliche Rache am Gesundheitswahn.“ Haha, da mußte ich doch herzlich lachen. Wenn ich da meine Ernährungsgewohnheiten betrachte, dann bin ich diesbezüglich wohl der Robin Hood, der Rächer am Gesundheitswahn schlechthin 😀

    Sind die Hinterhoftristesse und die Traurigkeit des leerstehenden Hauses wirklich hässlich? Herr Baudelaire regt da zu recht zum Nachdenken an 😉

    Liebe Grüße
    Volker

      • Die Liste meiner Essgewohnheiten würde hier den Rahmen sprengen und mir sämtliche Gesundheitsapostel auf den Hals hetzen. Das lasse ich lieber :mrgreen:

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