Trail Debut bei „Deutschlands härtestem Halbmarathon“ – der Salomon X-Trail-Run in Breitnau 2015


Als ich in Breitnau auf den Parkplatz – na gut, es war eine Park-Wiese – bog, und all die Laufgestalten sah, bedauerte ich es sofort, mich „nur“ für die 10 km Fun-Strecke gemeldet zu haben, anstatt mir „Deutschlands härtesten Halbmarathon“ einfach so voll und direkt zu geben. Vernunft ist blöd…

Als ich dann auf der Strecke war, war ich aber so was von froh, mich „nur“ für die 10 km gemeldet zu haben! Vernunft ist gut…

Aber der Reihe nach:Direkt am Parkplatz traf ich Lars von trailfieber.de endlich mal persönlich, einer der wenigen mir – bisher aber nur virtuell –  bekannten Läufer und Blogger aus meiner Ecke, der sich gerade mit diesem netten kleinen Lauf (natürlich die HM-Distanz) für die 100km beim ZUT eintapert. Warum auch nicht…

Er konnte mir auch gleich den richtigen Weg weisen, so dass ich die Startunterlagen im Handumdrehen abgeholt hatte. Problematischer war da schon die Toilettenlage, da die eigentlich großzügigen Toiletten genau zum Zeitpunkt meines Eintreffens von Breitnaus Jugendblaskapelle zum Umziehen genutzt wurden. Na super!

Der Verpflegungsbereich machte auch gleich schon Lust aufs Finisher-Bier. Der Zielbogen sah übrigens genau so aus.Bierbogen Breitnau

Das Wetter war herrlich, die angekündigten heftigen Gewitter ließen sich absolut nicht blicken, es war lediglich einen Tick zu warm. Aber es sollte ja Wald geben auf der Strecke. Die Landschaft versprach Schönes.

Ausblick Breitnau

Nachdem ich ja diesbezüglich schon gute Erfahrungen bei meinen letzten Läufen gemacht habe, verputzte ich pünktlich eine Stunde vor Start einen hervorragenden Streuselkuchen und kompensierte damit die Tatsache, dass ich meinen liebevoll vorbereiteten Chiapudding im heimischen Kühlschrank hatte stehen lassen.

Nach mehreren Versuchen fand ich auch die Damenumkleide im OG (!) und pinnte schließlich auch die minimalistisch gehaltene Startnummer ans Shirt. Meine Run for the Sun – Startnummer musste natürlich auch mit. Allerdings trug ich sie auf dem Rücken. Da sich dort aber schlecht ein Selfie machen lässt… nun… habe ich die Gelegenheit mal wieder genutzt, zu zeigen, dass ich auf Fotos absolut doof aussehe. „Jedes Mädchen träumt davon, Germany’s next topmodel zu werden!“ – wohl eher nicht…

Selfie Breitnau

Schuhtechnisch hatte ich mich nach einigem Überlegen für den Pure Grit 3 entschieden, der mir beim Crosslauf ja bereits sehr gute Dienste geleistet hatte.Pure Grit3

Breitnau ist so ein Ort, den es eigentlich gar nicht gibt. Ok, das war fies, natürlich gibt es ihn, aber es ist mehr so eine lose Ansammlung von weiter auseinander liegenden Höfen und Häusern mit jeder Menge Grün dazwischen. Der Start fand bei der hübschen kleinen Kirche statt.

Kirche BreitnauWas es in Breitnau jedoch reichlich gibt, ist Nachwuchsarbeit für den Wintersport. Der organisierende Verein, die Ski-Zunft Breitnau hat mit Benedikt Doll einen Weltklasse-Biathlet am Start, der in diesem Fall den Schlussläufer für unsere 10er-Runde machte. Benedikt konnte den Lauf leider nicht „richtig“ mitlaufen, da er in seinem Trainingsplan für den Tag bereits eine 5-stündige Radeinheit hatte. So wollte er mit diesem Lauf ein bisschen auslaufen. Ich frage mich, wie es sich anfühlt, wenn man so gnadenlos fit ist. Benedikts Schwester sollte später den Halbmarathon gewinnen. Muss am Trainingsgelände liegen.

Die Halbmarathonis gingen eine halbe Stunde vor uns an den Start, und ließen es gleich zu Beginn richtig krachen.

Start HM Breitnau1Start HM Breitnau2 Start HM Breitnau3 Start HM Breitnau4Da wurde losgelegt, als ginge es um einen 400m-Lauf. Die Erde bebte. Es war schon irgendwie beeindruckend. Man beachte den Herrn in Grün ganz vorn, denn er sollte mir später wieder begegnen. Oh, warum hatte ich mich nur für den 10er angemeldet?

Schließlich ging es auch für uns los. Die 10er-Gruppe war mit 85 Startern sehr übersichtlich. Nachdem uns der Organisator noch in Aussicht stellte, dass der Start eventuell verspätet stattfinden könnte – ein Linienbus musste vorher noch durch – ging es doch pünktlich los. Um ein Haar hätte ich den Start verpeilt, weil hinter uns gerade der Sieger des Schülerlaufs in den Zielkanal einbog, aber ich bemerkte es noch rechtzeitig.

Auch bei uns rannten die meisten los, als ginge es ums ihr Leben. Ich war vorsichtig, und daher kurz darauf mit dem Schlussläufer allein. Ein paar Meter vor uns telefonierte ein Herr im roten Shirt ganz entspannt am Handy und beendete sein Gespräch mit den Worten „Also, in einer Stunde bin ich wieder da!“. Sehr optimistisch von ihm, denn nachdem ich den ersten steilen Anstieg mit meiner bewährten Lauf-Geh-Wechselstrategie überstanden hatte, mampfte ich ihn weg, und sollte ihn nicht wieder sehen. Ein Herr Jahrgang 34 war auch dabei. Mein tiefer Respekt!

Die ersten Meter ging es über Asphalt, dann über Feldwege und schließlich in den Wald. Es war traumhaft schön! Ein Trail, direkt am schäumenden Bergbach entlang mit wunderbar federnder Oberfläche wand sich durch den Wald in die Tiefe. Ich hätte ein Foto nach dem anderen machen können, aber da ein Fehltritt dazu hätte führen können, sich einige Meter tiefer und im Bergbach zu befinden, verzichtete ich darauf, während des Laufs mein Handy rauszuholen. Mag mir jemand eine Action-Cam schenken? Ja?

Eigentlich war es viel zu schade, da durchzurennen. Man hätte auch stehen bleiben und genießen können. Aber nein…

Der Weg war bestens gekennzeichnet, durch gesprühte oder gestreute Pfeile, die sich nicht verfehlen ließen. Ab und an gab es auch Streckenposten. Kilometerschilder fand ich keine. Das muss aber nichts heißen, denn ich war mit dem Trail beschäftigt. Schließlich ging es einen schmalen Weg über eine Wiese nach oben. Hier war es so steil, dass nix mehr mit Lauf-Geh-Wechsel war. Ok, dann halt gehen. Das Ende der Wiese ließ sich schon erahnen. Leider war das Ende der Wiese aber nicht das Ende der Steigung. Die ging im Wald weiter, einziger Unterschied: Es wurde noch ein bisschen steiler. Mein Puls war im tiefroten Bereich, obwohl ich ja überhaupt nicht lief. Trailstöcke wären jetzt nett gewesen, wie mir auch andere Läufer später bestätigten. Ich traf einen wandernden Herrn (mit Stöcken), der aufmunternd meinte: „Gleich sind Sie oben!“

Allerdings war auch er ein kleiner Optimist, denn eine Lichtung, die zunächst wie das Ende des Anstiegs schien, entpuppte sich als Holzschlag-Platz, während der Weg ums Eck weiter ging. Bergauf.

Ich begann langsam zu begreifen, dass es eine verdammt gute Entscheidung gewesen war, mich NICHT für die volle Distanz angemeldet zu haben. Das Laktat feierte eine fröhliche Party in meinen Beinen, und es ging immer noch bergauf. Von links bog jetzt ein Weg ein, wo die HM-Läufer wieder auf unsere Strecke kommen sollten. Und Tatsache: Der Herr in Grün jagte leichtfüßig vorbei. Allerdings sah er aus, als sei der den ganzen Weg geschwommen. Es war einfach ein bisschen zu warm.

Die Streckenposten beteuerten, die Steigung sei gleich zu Ende. Ja klar… dachte ich, aber tatsächlich! Nach ein paar Metern war es wirklich rum und es gab einen VP mit Wasser und Iso. Ich kippte beglückt zwei Becher Iso in dem Wissen, dass ich davon Magenschmerzen bekommen würde. Aber das war mir in dem Moment so was von egal. Ich nutzte auch die Gelegenheit, kurz stehen zu bleiben. Der schlimmste Anstieg war geschafft. Nur noch 4 km! So verkündete das erste Schild, das ich sah. Es blieb wellig. Aber geradeaus kann ja jeder. Ein bis zwei Läufer konnte ich noch gutmachen, aber der Rest des Felds war längst über alle Berge.

Mehr als einmal war ich froh, in den Pure Grit das Rock Shield zu haben. Denn spitze Steine gab es reichlich. Die Landschaft war aber immer noch schön. Und so grün! Und so Schwarzwald!

Schließlich erblickte ich die Kirche direkt vor mir und zum Greifen nahe. Hurra! Ein kleines Glöckchen im Hinterkopf warnte mich, mich zu früh zu freuen und ja… man sieht zwar die Kirche, wenn man aus dem Wald kommt. Was man nicht sieht, ist das Tal, das zwischen Kirche und Wald liegt. So ein finaler Anstieg bis zum Ziel ist echt ätzend. Ich konnte nur noch gehen, und höchstens mal 10 Schritte laufen. Erst auf der Zielgeraden konnte ich noch mal Gummi geben und glücklich über die Ziellinie spurten. Ich war so happy, dass ich vergaß, meine Uhr zu stoppen. Egal. 1:13:56 ist es geworden. Mehr wäre nicht drin gewesen. Eine Minute vielleicht, aber darum geht es ja auch gar nicht.

Im Ziel war ich erstmal völlig orientierungslos. Dankenswerterweise war der Getränkestand direkt hinter der Ziellinie und ließ sich auch mit einem von Endorphinen, Hitze und Laktat komplett vernebelten Hirn noch finden.

Lars kam kurz nach mir ins Ziel mit einer Hammer-Zeit und fertig wie ein Schnitzel. Wir waren uns einig, dass Breitnau den Titel „Deutschlands härtester Halbmarathon“ zu Recht trägt.

Die Siegerehrung mit Post-Race-Nudelparty war dann noch sehr lustig, weil ein Herr mit ungewöhnlichem Vornamen irrtümlich als schnellste Dame geehrt wurde. Für den Veranstalter war das natürlich weniger lustig, weil alle Urkunden neu geschrieben werden mussten.

Bevor ich mich hinreichend platt ins Auto setzte, twitterte ich noch: „Mann, war das übel, Mann, war das geil!“ Ich glaube, das fasst den Lauf recht gut zusammen. Mr. Garmin zeigte mir übrigens nur 9,14 km und Mr. Suunto zeigte Lars nur 19, irgendwas, aber das liegt vermutlich an den Höhenmetern.

Mein Fazit zu dem Lauf:

  • landschaftlich wunderschön
  • sehr anspruchsvoll
  • perfekt organisiert, wenn auch minimalistisch (kein Goodie-Bag, keine Medaille)
  • mit 9 € Startgeld für den 10er praktisch geschenkt
  • super Verpflegung
  • sehr familiäre Atmosphäre

Ich bin sicher nicht zum letzten Mal in Breitnau gelaufen. Wer weiß, vielleicht wird es nächstes Mal ja doch die volle Strecke. 😉

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25 Kommentare zu “Trail Debut bei „Deutschlands härtestem Halbmarathon“ – der Salomon X-Trail-Run in Breitnau 2015

  1. Ein schöner Bericht! „Laktat feierte eine fröhliche Party in meinen Beinen“ – wie geil ist das denn… 😉

    Gratuliere Dir zur Super-Zeit: die hätte ich auch ohne Höhenmeter gebraucht… *sigh*

    Und grüß mir den Lars, wenn Du ihn mal wieder triffst. Die Welt ist halt ein Dorf…

    • Hihi… Das war eine Mords-Party! 🙂
      Mal sehen, wann ich Lars wieder über den Weg laufe, aber der wohnt echt recht nah. Allerdings läuft der in so einer ganz anderen Liga, dass es zu einem gemeinsamen Lauf wohl eher nicht kommen wird.
      Aber du weißt ja: Wer länger läuft, kriegt mehr fürs Startgeld. 😀

  2. hab mich gestern ja gewundert was es mit der run for the sun startnummer auf sich hat… bin auf der Suche grade hier gelandet. Sehr angenehmer und amüsanter Laufblog 🙂 Laktatparty gabs auf der HM-Strecke auch… An den Steilhängen hatte das ganze zwischenzeitlich eher was von Massenwanderung (jedenfalls in dem Starterbereich in dem ich unterwegs was). Hab zwar hier am Berg trainiert, aber die Steigungen waren dann doch noch mal ne ganz andere Nummer.

    • Jetzt weißte Bescheid! 🙂
      Willkommen auf meinem Blog! Ich freue mich immer über neue Besucher. Ja, mehr als Wandern war an den Steilhängen nicht drin. Die waren schon ein ziemlicher Hammer. Ich trainiere auch im hügligen Gelände, aber da ist die Steigung halt so nach 200-300m rum. Dort jedoch…

  3. Also erstmal herzlichen Glückwunsch – die Zeit mache ich dir auf einem Trail auch nicht nach. Schön beschrieben – klingt nach einem tollen Lauf, klein (zumindest der 10k) und tatsächlich sehr preiswert.
    Was will das Läuferinnenherz noch mehr??

    Herzlichen Gruß!

    • Der Lauf war super. Mehr kann man dazu nicht sagen. Vielen Dank für die Glückwünsche! Zeit ist beim Trail glaube ich eher Nebensache, oder? Das Erlebnis zählt!

  4. Das hört sich verdammt gut an. Selbst ohne Bilder hatte ich einen schönen Gedankenausflug in die Landschaft. „Nach der Kurve wirds flacher“ heißt ein Laufblog, der leider nicht mehr ganz so oft bedient wird. Daran muss ich immer denken, wenn ich mal in gebirgigen Gefilden unterwegs bin – man täuscht sich da oft – dann gehts erstmal noch bergauf, wo man erst gar keinen Berg gesehen hat.

    Also… gut gemacht und danke für den schönen Bericht.

    • Freut mich, dass ich Dich auch bilderlos mitnehmen konnte. 🙂
      Ja, an den Blog musste ich auch denken. 😀
      Die Landschaft war DER HAMMER!!! Die muss unbedingt nochmal erwandert werden. Die Strecke hab ich ja jetzt.

  5. Glückwunsch zum Finish. Ich hab ja auf Strava schon die Aktivität gesehen und war erstaunt, was die Strecke so zu bieten hat.
    Toller Bericht übrigens – es ist wirklich erstaunlich wie schwierig es ist bergauf zu laufen und ich frage mich immer, wie die schnellen es schaffen so dynamisch bergauf zu kommen. 😉

  6. Toller Bericht und eine wirkliche Freude dich endlich mal nicht nur als Autorin kennen gelernt zu haben 🙂 Wir sehen uns sicherlich bei dem ein oder anderen Läufchen in der Gegend wieder und danke für die vielen Lorbeeren 🙂

    Grüße Lars
    http://www.trailfieber.de

    • Gern geschehen! 🙂 Du hast Dir die Loorbeeren auch wirklich verdient!
      Ich fand es auch schön, Dich endlich mal persönlich zu treffen. Hoffentlich bald wieder! Jetzt aber viiiiiel Erfolg beim ZUT!

  7. Pingback: Hallo Welt! Oder: Wieso gehen Menschen freiwillig laufen? | lactatparty

  8. Pingback: Run for the Sun – Update with a lot of pictures | laufkater

  9. Pingback: Run for the Sun 2015 – oder: wie fühlt sich ein einmonatiger Streak an? | laufkater

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