Schnelle Sohlen – der Hoka One One Huaka im Test


Kürzlich habe ich mich ja über das Hügeltraining als eine meiner liebsten Trainingsformen geäußert. Noch nicht geäußert habe ich mich zu meinem neuen Lieblingsschuh für genau diese Trainingsform. Und hier ist er:

Der Huaka von Hoka One One.

Huaka neu

Was neben dem farbenfrohen Design (pink rockt!) und dem edlen Karton als allererstes auffällt, ist das unglaublich geringe Gewicht. Ok, alles ist relativ, aber für einen Hoka ist er extrem leicht. Es fühlt sich ein bisschen so an, wie wenn man eine Styropor-Hantel vom Boden hochhebt. Man sieht recht viel Schuh, langt kraftvoll hin und … uaaah… der Arm geht bis zur Decke. 😉

Laut Herstellerseite wiegt der Schuh 226g, laut meiner 5€-Waage kommt das etwa hin. Klar ist das für die Minimalisten unter den Läufern noch immer ordentlich Gewicht, aber für einen Maximalschuh fast nichts. Das liegt unter anderem daran, dass das Obermaterial zwar stabil aber sehr dünn ist. Er ist daher auch bei Hitze sehr angenehm zu laufen. Dennoch fühlt sich der Fuß gut umschlossen an. Regen geht natürlich sofort durch. Dafür trocknet er jedoch auch schnell wieder.

Nahaufnahme

Auch die Sohlenkonstruktion ist – im Gegensatz zu den Trailmodellen – mit Aussparungen versehen, was zusätzlich Gewicht einspart.

Sohle

Und überhaupt kommt er für einen Hoka sehr flach daher. Dass die Hokas bei dicker Sohle sehr wenig Sprengung haben, hat sich mittlerweile wohl herumgesprochen. Gerade mal 2 mm hat der Huaka nach Herstellerangaben. Aber mit „flach“ meine ich auch, dass die Sohle nicht so dick ist wie bei vielen anderen Modellen. Die Außensohle soll besonders abriebfest sein. Das Bild zeigt den Schuh nach einer Laufleistung von ca. 50 km. Das ist noch nicht so wirklich viel, aber ich habe schon Schuhe gelaufen, die bereits nach solch kurzer Zeit deutliche Gebrauchsspuren an der Außensohle aufwiesen. Wir werden sehen, was die Langzeiterfahrung bringt, aber bisher ist die Sohle noch wie neu – nur dreckiger.

Was kann das gute Stück nun?

Der Huaka ist ein Straßenlaufschuh und speziell für Tempoläufe gedacht. Beides kann ich voll bestätigen.

Klar weint er nicht gleich, wenn er mal mit einem Stück nicht asphaltiertem Untergrund konfrontiert wird, einen befestigten Waldweg oder ein Stück Schotter kann er schon ab, aber schon allein die Sohle zeigt, dass er kein Offroad-Schuh ist. In den Aussparungen sammelt er ab und an kleine Holzstückchen oder im dümmsten Fall mal einen Stein. Am wohlsten fühlt er sich sichtlich auf Asphalt und bei mittleren bis höheren Tempi.

Dafür ist auch die Sohlenkonstruktion mit verantwortlich. Vielleicht kennt der ein oder andere MBT-Schuhe? Hier mal ein (nicht-gesponserter) Link, damit ihr euch ein Bild machen könnt: Klick

Es gibt gewisse Ähnlichkeiten in der Sohlenform. Ich habe MBTs mal eine Weile wegen Rückenproblemen getragen, und bei den Hokas einen ganz ähnlichen Effekt festgestellt: Die Gesäßmuskulatur wird aktiviert. Die sorgt beim Laufen für den Vortrieb. Außerdem unterstützt die Sohlenkonstruktion die Landung auf dem Mittel- und Vorfuß und einen aktiven Abdruck nach vorn. Es ist echt seltsam, aber langsame Läufe fühlen sich im Huaka für mich komisch bis eher unangenehm an, wie mit angezogener Handbremse.  Gut, mein „schnell“ ist – je nachdem, wer das jetzt gerade liest – euer „langsam“, daher sage ich bewusst: Mittleres bis schnelles Tempo.

Bei Tempoläufen, vor allem bei Hügelläufen ist er für mich jedoch ideal. Die gute Landung auf dem Vorfuß, die sich beim bergauf Laufen ergibt, gepaart mit der dicken Dämpfung beim bergab Traben ergibt eine unschlagbare Kombination.

Was den Laufstil angeht: Ich hab mal versucht, bewusst über die Ferse zu laufen. Das ist in dem Schuh fast nicht möglich. Ok, für mich als Mittelfuß-Läufer fühlt sich Fersenlandung sowieso unangenehm an, aber hier ging es irgendwie gar nicht. Insofern kann man schon sagen, dass die abgerundete Schuhkonstruktion in den Laufstil eingreift. Das mag für den ein- oder anderen Läufer tendenziell unangenehm sein. Wenn sie jedoch den natürlichen Stil des Läufers genau trifft, ist das eine feine Sache.

Die sehr geringe Sprengung erfordert eine gewisse Eingewöhungszeit. Wer nicht sowieso schon viel in sehr flachen Schuhen unterwegs ist, riskiert Achillessehnen-Probleme. Anziehen und gleich 30 km laufen ist in dem Fall vielleicht nicht die beste Idee. Aber das sollte man mit neuen Schuhen ja sowieso eher lassen. 😉

Thema Dämpfung: Stark gedämpfte Schuhe haben ja gerne den Nachteil, dass viel Energie im Schuh verpufft, die dann für den Abdruck fehlt. Das ist beim Huaka nicht der Fall. Er fühlt sich sehr direkt an. Die Dämpfung federt mehr als dass sie polstert. Das Federn sorgt in Kombination mit dem geringen Gewicht auch dafür, dass sich der Schuh sehr leicht am Fuß anfühlt, obwohl er – verglichen mit einem echten Lightweight-Racer – immer noch etwa eine halbe Tonne wiegt. 😀

Wie fast alle Hoka-Modelle kommt auch der Huaka mit einem Schnell-Schnür-System. Das funktioniert ganz gut und hält auch zuverlässig. Nur die Zeitersparnis gegenüber der traditionellen Schleife erschließt sich mir nicht ganz, weil man die Bändel immer unter den Gummi-Halterungen raus- und anschließend wieder reinfummeln muss. Wem das zu blöd ist, der kann auch die mitgelieferten traditionellen Schnürsenkel verwenden. Allerdings ist das eine Einbahnstraßen-Entscheidung, weil man dafür die Schnellschnürer zerschneiden muss. Ebenfalls im Lieferumfang enthalten ist eine zweite Einlegesohle, die schmalfüßige Menschen in Kombination mit der bereits eingelegten Sohle verwenden können. Man kann die Sohlen auch tauschen, wobei hier nichts zerschnitten werden muss, sondern nach Lust und Laune experimentiert werden kann.

Von der Passform her fällt er – wie die meisten Laufschuhe – so aus, dass man 1 1/2 Schuhgrößen über der eigentlichen Konfektionsgröße nehmen sollte. Ich hab 40,5 als „normale“ Größe, und 42 in Laufschuhen.

Ich mag diesen Schuh sehr. Er begleitet mich mittlerweile auf fast allen Tempo-Einheiten, außer auf der Tartan-Bahn, wo ich eher traditionelle Wettkampfschuhe trage. Sehr ausgiebig konnte ich ihn natürlich beim Run for the Sun testen. 🙂

RFTS Hokas

Fazit:

geeignet für:

  • schnelle und mittelschnelle Läufe
  • vorzugsweise Asphalt, wobei gemischte Untergründe auch gehen
  • lange Läufe
  • Wettkämpfe auf jeden Fall bis HM-Distanz, schätzen würde ich auch Marathon- oder Ultra-Distanz, kann da aber nicht auf eigene Erfahrungen zurückgreifen
  • Mittel- und Vorfuß-Läufer

nicht geeignet für:

  • langsame Zottel-Läufe
  • sehr „trailiges“ Terrain
  • eingefleischte Natural- und Minimalschuh-Läufer
  • extrem ambitionierte Läufer, bei denen jedes Gramm Schuh im Wettkampf zu viel ist
  • ausgeprägte Fersenläufer
  • Läufer mit bereits bestehenden Achillessehnen-Beschwerden – hier sollte nach Abklingen der Beschwerden eine langsame Eingewöhnung stattfinden.

Ich habe diesen Schuh zum Testen kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen. Dennoch spiegelt dieser Bericht meine persönliche Meinung wider, die nicht dadurch beeinflusst wurde. Für das Verfassen des Artikels erhalte ich keine Vergütung. Vielen Dank an Hoka One One für die Testschuhe, die ich sicher noch viele Kilometer laufen werde!

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12 Kommentare zu “Schnelle Sohlen – der Hoka One One Huaka im Test

  1. Der Huaka ist zur Zeit mein Lieblingsschuh und ich laufe ihn überwiegend auf trails und er läuft sich da gar nicht schlecht!

    • Interessant! Ich habe noch den Stinson Trail, und habe da immer das Gefühl, wenn ich vom Asphalt auf unbefestigten Boden komme, macht der Schuh ein wohliges „Aaaah“. Beim Huaka empfinde ich es umgekehrt. Wie schlägt er sich denn so bei Nässe und Matsch?

  2. Du weißt ja, ich liebe Hokas (bzw. laufe nicht mehr in anderen Schuhen). Meine zuletzt gekauften haben auch dieses dünne Mesh. Das ist in der Tat angenehm und sieht lustig aus, wenn man meine Socken darin sehen kann.

    Ansonsten.. viel Spaß weiterhin mit den guten Teilen.

    • Hihi… 🙂 Auf die Socken hab ich noch nicht geachtet, aber durchsichtig genug ist es. Die meisten meiner Laufsocken sind weiß, da kommt es vermutlich nicht so durch. Viel Spaß werden wir sicher noch miteinander haben.

  3. Ich bin heute das erste mal in den Stinson gelaufen. Die sind ja noch geiler als die Huaka. Beim Huaka im Gelände ist das so eine Sache, die kannste bei Nässe und Matsch auf dem Trail vergessen. Aber wenn es trocken ist, wie gerade jetzt habe ich im Gelände keine Grip Probleme.

    • Mit den Stinson wirst du da keine Probleme haben. 🙂 Das meinte ich auch beim Huaka mit „kein Offroad-Schuh“. Auf Feld- und Waldwegen und bei Trockenheit ist alles gut.

  4. Wie kommst Du im Fersenbereich mit den Hoka klar? Ich hab‘ bei längeren Läufen (auch jetzt in Roth) am Knöchel Druckstellen und später sogar Blasen bekommen. Wobei das in Roth dann wirklich das geringere Übel war 😉 und ich vorsorglich Pflaster dabei hatte.

    • Bei mir sitzt da alles gut. Ich hab auch Socken mit Fersenpolsterung. Hängt vielleicht aber auch an der Fußform. Ich kann also nicht klagen. Vielleicht mal andere Socken probieren?
      Deinen Roth-Bericht muss ich noch lesen. Hab nur gerade eine stressige Phase… Seufz! Ist aber absehbar. 🙂

  5. Pingback: Der Hoka One One Clifton 2 – brandneuer maximaler Dämpfungsschuh im Test | laufkater

  6. Pingback: Hoka One One Huaka im Test | HarleRunner - ein Laufblog aus Coesfeld

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