Herbstimpressionen aus der unfreiwilligen Offseason


Jeder Triathlet, der was auf sich hält, macht sie: Saisonpause, Trainingspause oder Offseason. Der letzte Wettkampf ist vorbei und nach der langen Livestream-Nacht von Kona wird jetzt hart regeneriert.

Triathletisch infizierte Läufer – so wie ich – machen eher keine. Erstens mal sind meine bisher absolvierten 3 Sprintdistanzen ein bisschen weniger als das Pensum der „echten“ Triathleten, und zweitens geht es ja im Herbst eigentlich erst wieder so richtig los mit dem Laufen. 

Ich habe auch bisher nie eine bewusste Trainingspause gemacht. Ich werde einfach krank und: voilà! 10-14 Tage Sportpause gratis.

Am Dienstag nach meiner PB beim Spendenlauf in Sigmaringen hat’s mich erwischt. Zack!

Und wenn es mich erwischt, dann ist kein Gedanke an Sport möglich. Macht ja auch keinen Sinn. Man schadet sich nur selbst und verzögert den Genesungsprozess. Dass ich dann nur rumliegen oder rumsitzen kann, ändert leider nichts daran, dass ich innerlich die Wände hoch- und runtergehe.

Und genau jetzt muss das Wetter natürlich traumhaft sein. Und jetzt fehlt mir nicht nur das Laufen, sondern auch das Schwimmen und Radfahren.

Jetzt mit dem Mountainbike durch das Laub pflügen oder laufend durch die Blätter rascheln und dabei noch die letzten Sonnenstrahlen einfangen… Hach!

Heute war immerhin ein kleiner Spaziergang drin, und ich habe es mir nicht nehmen lassen, mich immerhin fotomäßig auszutoben. Gefühlt war zwar der ganze Ort da unten unterwegs, aber irgendwie ist es mir gelungen, so zu knipsen, dass keine Leute im Bild sind und so zumindest die Illusion von Weite zu schaffen.

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Die Enten waren in der Tat so satt, dass noch überall Brot am Ufer rumlag und auch das Damwild im Gehege wurde von Kindern derart mit Essbarem beworfen, dass es vermutlich für die kommende Woche versorgt ist.

Ich versuchte mich aus all dem rauszuhalten und mich lieber auf schöne Herbst-Details zu konzentrieren, wie z.B. die Pfaffenhütchen in all ihren Schattierungen.

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…oder auch eine monochrome Bank.

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Ich versuche mich damit zu trösten, dass ich all dies vermutlich nicht so genau gesehen hätte, wäre ich gelaufen oder mit dem Mountainbike dran vorbei gedüst.

Dennoch: So sehr ich es genossen habe, ist so ein Spaziergang einfach nicht dasselbe. Was ist es nur, was uns alle (ich nehme mal an, es geht den meisten hier so) die Dinge so viel intensiver erleben lässt, wenn wir uns dabei sportlich anstrengen?

Werden die Eindrücke intensiver, weil das Hirn besser durchblutet wird? Oder sehen wir einfach in kurzer Zeit so viel mehr?

Ist es die Tatsache, dass wir uns selbst mehr wahrnehmen, wenn wir uns körperlich anstrengen?

Oder ist es die Freiheit, die durch das höhere Tempo entsteht, und die auch mit einschließt, dass man den übervölkerten Spazierwegen entkommt und dann wirklich die Landschaft größtenteils für sich alleine hat?

Oder ist es vielleicht alles zusammen?

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11 Kommentare zu “Herbstimpressionen aus der unfreiwilligen Offseason

  1. Wow, danke, dass du diese schönen Herbstimpressionen teilst. Ich lebe und leide seit mehr als vier Wochen unter einen komplett grauen Wolkendecke… es ist zum Weinen, aber ich möchte nicht undankbar sein. Du bist schließlich krank geworden. Leider. Hoffentlich kannst du bald wieder auf die Piste. Meine Theorie ist ja, wir atmen die schönen Dinge ein. Saugen sie direkt auf. Einfach herrlich.

    • Gerne 🙂
      Och nee, so ein grauer Herbst ist echt furchtbar. Hatte ich früher auch immer, als ich noch am Bodensee gewohnt habe. Macht echt keinen Spaß. Ich wünsche Dir noch ein paar Sonnentage, damit Du auch schöne Dinge einatmen kannst. 🙂

  2. Schön ist, dass du dennoch draußen sein kannst, das geht ja manchmal gar nicht mehr, wenn man sich im Fieberwahn durch das Bett wälzt. Zur Zeit bin ich ganz bei dir, ich bin zwar nicht krank, eher Laufkrank und darf mich mit einem Läuferknie herumplagen und kann somit den Herbst auch nicht wirklich laufend genießen. Dabei ist er meine liebste Jahreszeit.
    Ich nehme vielleicht beim reinen Spazierengehen noch mehr Details wahr, aber das große Ganze um das es (mir) geht, erlebe ich nur beim Laufen. Allein schon aufgrund der vielen kleinen Trails… Und wenn ich ganz ehrlich bin, würde mir das Herz bluten, wenn ich diese abspazieren würde. Man kommt auch einfach noch weniger weit..wenn ich mir überlege, dass ich den Feldberg hin- und zurück wandern müsste, würde ich locker 4 Stunden oder länger brauchen. Ich würde auch nie auf den Gedanken kommen, nach der Arbeit mit Stirnlampe im Wald spazieren zu gehen. Das Gerenne im Dunkeln gibt mir auch irgendwie eine gewisse Sicherheit, ich fühle mich nicht so angreifbar.

    LG,
    Jamie

    • Oh, verletzt ist ja auch blöd. 😦
      Ich konnte meinen Spaziergang heute schon etwas ausdehnen und bin sagenhafte 2 km Rad gefahren (Post und Einkäufe).
      Stimmt, man kommt weiter und sieht mehr und mit der Stirnlampe stimme ich Dir auch zu, wobei so ein Spaziergang im Dunkeln auch was hat.
      Ich wünsche Dir gute Besserung, auf das Dein Knie bald Ruhe geben möge. Kannst Du wenigstens biken?

      • Ja, biken geht glücklicherweise. Aber irgendwie laufe ich zur Zeit viel lieber, komme kopfmäßig nur schwer wieder in so eine MTB Phase hinein, wie ich sie letztes Jahr hatte.
        Spaziergänge im Dunkeln sind (zumindest alleine) nicht ganz so meins, weil ich das Gefühl schon mehrfach hatte, dass unter den laut raschelnden Taunustieren auch einige Wildschweine waren und es sowieso etwas gewöhnungsbedürftig ist, wenn einen reflektierende Augen aus dem Unterholz anstarren – ohne zu blinzeln! 😀

  3. Pingback: Lieblingsblogs Folge 40 - Coffee & Chainrings

  4. So wundervolle Bilder liebe Christiane. Kannst mich nicht das nächste Mal zum nächsten regionalen Lauf einfach an den Patschehändchen packen und mitnehmen 🙂 Sonst schaffe ich den Einstieg nieeeeeeee.

    LG Katrin

      • Ich weiß, ist schon verlockend. Allerdings hab ich am 4.1. eine OP und darf eben vorher nicht mehr krank werden. Bei einem Lauf zu der Jahreszeit kann ich eine anschließende Erkältung als Laufneuling sicher nicht ausschließen oder? Und dann so ganz allein, ich weiß auch nicht 😦 Jetzt hab ich immerhin hier einen Lauftrainer gefunden, läuft selbst Marathon und ist um die Ecke. Wer weiß, vielleicht bringt er mich noch so richtig in Form.

        LG Katrin

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